„Ich gehe morgen zum Neelkanth“ . . .

... sagt Brtbi Baba zu mir, ‘kommst Du mit?’
Diesen hageren, alten Heiligen aus Nepal, der seit mehr als 30 Jahren in einem Tal unweit der tibetischen Grenze in einer Höhle lebt, hatte ich vor ein paar Tagen getroffen. Er saß vor seiner unbewohnbaren Höhle, eine Lawine hatte im Winter alles zugeschüttet. In der Höhle lag knietief der Schlamm, alle seine Konstruktionen aus Holz und Decken waren zerstört. Wir hatten gemeinsam etwas aufgeräumt, waren aber mit blossen Händen nicht allzu weit gekommen.

Er erzählte mir, er sei nach dem Winter erst vor ein paar Tagen hierher zurück gekommen, könne in der Höhle eines anderen Sadhu vorübergehend wohnen. Diese beiden sind die Einzigen, die die meiste Zeit des Jahres in diesem Tal hoch über Badrinath auf 4000 m leben.
Völlig asketisch, sich von den Lebensmitteln ernährend, die die wenigen Pilger, die sich von dem Tempel unten im Tal hier hoch verirren, mitbringen. Die meiste Zeit des Tages mit Meditation und Yoga beschäftigt, besitzt die laute Welt da unten keinerlei Anziehungskraft mehr für sie.

Ich habe in den mittlerweile drei Jahren, die ich in Indien verbracht habe, schon viele der Sadhus kennenlernen können. Ich bin fasziniert, auch wenn ich nicht alles nachvollziehen kann, konnte viel lernen und habe doch manchmal das Gefühl, gar nichts zu wissen. Habe einige getroffen, die ihren Status ganz gut vermarkten können, sich so aber mehr und mehr von ihren Lebenszielen entfernen. Und ich wusste immer, dass es diese wirklichen Yogis in den Hochtälern des Himalaya gibt. Die gar nicht gefunden werden wollen. Und jetzt, am Ende einer 6-wöchigen Pilgertour zu den Gangesquellen, nur wenige Tage vor meinem Rückflug nach Europa, will mich dieser alte, nur in eine Decke gehüllte Sadhu mit zu einem der heiligsten Shiva-Berge nehmen. ‘Na klar’ sage ich zu ihm. Er hat sicher keine Ahnung, was er mir damit für eine Freude macht.