INDIEN - Paradies der Farben

In meinem neuen Dia-Vortrag INDIEN Paradies der Farben zeige ich Bilder meiner letzten Indienreise.
Zwischen Dezember 2006 und Juni 2007 war ich im nordwestlichen Teil Indiens unterwegs und besuchte einige Orte, in denen ich vor 10 Jahren schon war. Die Geschwindigkeit, mit der sich Indien verwestlicht oder besser verwestlichen lässt, ist dramatisch. Manche Orte sind nicht wieder zu erkennen und viele Menschen opfern alte Werte und Traditionen dem Neuen. Schade auf den ersten Blick, andererseits aber auch eine Entwicklung, die schon in vielen anderen Ländern zuvor stattgefunden hat. Manchmal müssen Dinge vielleicht erst kaputt gehen, ehe deren Wert erkannt wird.

Ich verbrachte diesmal viel Zeit bei großen Festen, eine gute Möglichkeit, altes Indien zu erleben. Jahrhunderte alte Bräuche und Rituale werden nach wie vor praktiziert, nur teilweise vor anderer Kulisse. Ich war zu Shivratri, dem Fest der Hochzeit des Gottes Shiva mit der Göttin Parvati, in Varanasi. Das Pilgerzentrum am Ganges ist die heiligste Stadt für Hindus und einer der wichtigsten Orte für Shiva-Sadhus, ein Ort, an dem sich noch nicht einmal die Kulisse zu verändern scheint. Jeden Morgen badeten Tausende im Ganges, die kleinen Gassen der Altstadt waren mit Kühen verstopft und die vielen Sadhus, die in Zelten am Ganges lagerten und Marihuana rauchend auf die große Nacht Shivas warteten, ließen ahnen, wie es hier vor 500 Jahren ausgesehen haben mag. Holi war ein weiteres Festival, verbunden mit der Geschichte Krishnas. Ein indischer Freund hatte mich nach Vrindaban eingeladen, dem Ort, wo Krishna seine Jugend verbracht hatte und das Fest der Farben besonders exzessiv gefeiert wird. Zwei Wochen lang sah die Gegend aus wie ein buntes Schlachtfeld, die Menschen wie laufende Farbpaletten. Fotografieren ging nur mit komplett abgedichteter Kamera, Filmwechsel nur nackt nach gründlicher Dusche in einem abgelegenen Raum. Die Kleidung wurde nie wieder sauber und noch nach Tagen stiebte Farbpulver beim Husten aus der Lunge.

Mit dem Bedürfnis nach Ruhe war ich danach einige Wochen in den Bundesstaaten Gujarat und Rajasthan unterwegs. Ich pilgerte mit Jain-Nonnen auf den heiligen Berg Shatrunjaya in Palitana und besuchte Völkerstämme in Kutch, die in einer landschaftlichen Einöde wunderschöne Handarbeitstraditionen pflegen. Konnte zuschauen, wie auf den endlosen flimmernden Flächen des Rann of Kutch Speisesalz gewonnen wird und in einem kleinen Ort am Arabischen Meer hochseetüchtige Vessels in reiner Handarbeit aus Holz gebaut werden. Mit vielen Filmen voller Fotos und dem Kopf voller Eindrücke wurde mir die Hitze im Flachland dann doch zuviel, knapp 50°C in der Thar-Wüste in Rajasthan waren manchmal unerträglich.
Die letzten 2 Monate verbrachte ich im Garwhal-Himal an den Gangesquellen. Orte im Hochgebirge, die ich gerne 100 Jahre früher schon mal gesehen hätte. Als es noch keine Strassen gab und eine Pilgerreise noch Mühsal und Entbehrung bedeutete. Heute kann man zum Teil mit dem Bus bis fast zum Tempel fahren und es wird bestimmt nicht mehr allzu lange dauern, bis die erste McDonalds-Filiale ihre Burger da oben verkauft. Pure vegetarien, natürlich. Ich hab die Busse oft fahren lassen und bin gelaufen, manchmal mit den Sadhus und oft auch allein. Es ist ein anderes Ankommen an diesen Orten, als wenn man durchgerüttelt bis auf die Knochen aus dem Bus steigt. So war die Dschaar Dham, die große Pilgerrunde zu den 4 Quellen, die der eilige Geschäftsmann aus Delhi in seinem Jeep in knapp einer Woche hinter sich bringt, eine 6-wöchige Tour durch grandiose Landschaften mit interessanten Begegnungen für mich. In den Seitentälern traf ich die Sadhus, die sich wirklich weitestgehend von den Geschehnissen in dieser Welt zurückgezogen hatten und denen selbst der Besuch der Kumbha Mela nichts mehr bedeutet.

Für mich der beste Ausklang dieser Reise, mit viel Zeit und Ruhe vor der Rückkehr ins durchorganisierte Europa.