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News


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Und hier sind die vergangenen Newsletter, falls jemand Lust zum Schmökern in alten Geschichten hat.



KATHMANDU, Mitte Oktober 2016

Liebe Leute,
meine Zeit hier in Nepal neigt sich dem Ende entgegen, in weniger als einer Woche werde ich schon wieder Zuhause sein. Mit 9000 Fotos, die aussortiert und entwickelt werden wollen. Aber ich freue mich auf diesen Batzen Arbeit, ich denke, es sind einige sehr schöne Bilder dabei. Entstanden sind sie letztendlich, weil alle meine ursprünglichen Pläne nicht so ohne weiteres umsetzbar waren und am Ende auch relativ teuer geworden wären. Aber eigentlich war das eher ein Gewinn, so hatte ich viel Zeit auf der Annapurna Runde. Und habe die mit über 6 Wochen zu Fuß unterwegs sein auch gut genutzt. Mehrere Male hab ich schon vormittags beschlossen, den Rest des Tages zu bleiben, nur weil der Ort so interessant oder schön war. Auch die Möglichkeit, einen oder zwei Tage auf besseres Wetter warten zu können, war in vieler Hinsicht sehr wertvoll. Ich bin ja extra im Sommer gekommen, um wechselhaftes Wetter zu haben und es hat sich voll gelohnt! Wenn Ihr mal reinschnuppern wollt, HIER.
Aber jetzt warten erstmal ein paar Vorträge auf mich. Für die Leipziger unter Euch, am Sonntag, den 23. Oktober um 18:00 Uhr bin ich mit Indien zwischen den Welten mal wieder im UT Connewitz, ich freue mich schon auf die bissl einzigartige Atmosphäre in dem antiken Kino dort. Der einzige Vortrag in Dresden in diesem Winter ist am 5. November um 20:00 Uhr im Club Passage. Die anderen, in dieser Saison nicht so zahlreichen Termine findet Ihr HIER.
Bei der Gelegenheit möchte ich Euch auch noch mal auf die beiden Bücher hinweisen, die nun schon seit einem Monat im Handel sind und die ich aber immer noch nicht gesehen habe. Wer einen handsignierten Band möchte, darf mir diesbezüglich gerne schreiben. Ich sammle alle Bestellungen und werde die Bücher nach meiner Rückkehr beim Verlag ordern. Mal reinschauen in die beiden Bände können Ihr HIER.
Soweit erstmal, ich versuche mich mal etwas kurz zu fassen diesmal. Ich wünsche Euch allen noch einen schönen Herbst, herzliche Grüße aus Kathmandu, Frank Bienewald



DRESDEN, Mitte August 2016

Liebe Leute,
ich bin schon mit einem Fuß im Flieger nach Kathmandu (über Istanbul, hoffentlich bleibts ruhig), möchte Euch aber unbedingt noch über das Erscheinen meiner neuen Bücher informieren. Mit dem Verlag Photographie zusammen habe ich fast die gesamten letzten 6 Monate daran gearbeitet, ich hätte nie erwartet, dass dieser Prozess so arbeitsintensiv sein würde. Obwohl bei allen Beteiligten sicher eine Handvoll grauer Haare dazugekommen sind, das Ergebnis kann sich absolut sehen lassen! Beide Bände, Indien – der heilige Fluss Ganges und Indien Begegnungen im Himalaya, sind eine Mischung aus Bildband, persönlichen Erzählungen und Tipps zum Fotografieren und Reisen. Einige der Geschichten kennt Ihr vielleicht aus den Vorträgen, ein paar der Fotos sicher auch, aber das alles mal auf Papier gedruckt in den Händen halten zu können ist schon auch schön!
Hier sind ein paar Probeseiten zum Reinschnuppern.
Wenn die beiden Bände gegen Anfang September aus der Druckerei kommen werde ich wahrscheinlich gerade im Kali Gandaki Tal in Richtung Upper Mustang durch die Pfützen des Monsunregens waten. Mit dem in den Händen halten dauerts also noch etwas für mich. Somit habt Ihr die Chance, die Bücher noch vor mir anschauen zu können. Ich beneide Euch da ein wenig, wenn ich ganz ehrlich bin.
Die Bücher werden ab Herbst in vielen Buchhandlungen und auch bei den Online-Versendern erhältlich sein. Dort können sie auch, meist sicher versandkostenfrei, bestellt werden. Ihr könnt sie natürlich auch bei mir bestellen, dann würde zumindest ein Teil der Marge der Zwischenhändler (deren Höhe in keinem erkennbaren Zusammenhang mit meiner und der Arbeit des Verlages steht) bei mir ankommen.
Da ich aber erst Ende Oktober aus Nepal zurückkomme und Euch somit die Bücher vorher nicht persönlich zuschicken kann, hat mir der Verlag angeboten, die Bestellungen, die bei mir eingehen, gegen Vorkasse oder PayPal zu versenden. In dem Fall käme allerdings der Versand dazu, von dem ich die Hälfte übernehmen würde. Der Preis pro Band ist EUR 29,95, Eure Hälfte der Versandkosten beträgt EUR 3,00. Bei der Bestellung von mehreren Büchern bleibt es natürlich bei den EUR 3,00 für den Versand.
Wenn das für Euch noch attraktiv ist (was mich sehr freuen würde!), könnt Ihr den fälligen Betrag an die
vfv Vertriebs GmbH überweisen. Gebt dort bitte in das Feld für Nachrichten an den Empfänger ebenso Euren Namen sowie die gewünschten Bände ein, die Lieferadresse wird extra abgefragt.
Parallel dazu schickt bitte noch eine Mail mit Eurer Bestellung und der kompletten Versandadresse an: info@vfv-vertrieb.de und an kontakt@frank-bienewald.de.
Eine Rechnung liegt jeder Sendung bei. Sobald die Zahlung eingegangen ist, erhaltet Ihr die Ware umgehend zugeschickt.
Wer möchte, kann die Bücher auch gerne handsigniert von mir bekommen, aber eben erst ab Ende Oktober. In dem Falle reicht eine Mail mit der Bestellung an mich. Ich melde mich nach meiner Rückkehr noch mal bei denjenigen von Euch und denke, dass diese Bücher spätestens Anfang November auch verschickt sein werden.
So, das wars, was ich Euch vor meiner Abreise noch schnell mitteilen wollte. Ich freue mich sehr über das Erscheinen der beiden Bände, danke den Mitarbeitern des Verlages Photographie für Ihre Geduld mit mir und wünsche Euch viel Spaß beim selber schmökern oder verschenken. Euer Feedback ist mir sehr willkommen!
Aber jetzt fliege ich erstmal nach Nepal, bin sehr gespannt, wie sich Trekking während des Monsuns anfühlen wird. Ich hoffe, dass es zumindest fotografisch berauschend wird!
Euch allen einen schönen Restsommer und ganz herzliche Grüße, Frank Bienewald



DRESDEN, Mitte Juli 2016

Liebe Leute,
es wird mal wieder Zeit, etwas von mir hören zu lassen. Es gibt ein paar Neuigkeiten., die vielleicht für den einen oder anderen interessant sein könnten.
Als erstes freue ich mich sehr Euch mitteilen zu können, dass die Bücher, an denen ich gerade intensiv mit dem Verlag Photographie zusammen arbeite, gegen Ende dieses Sommers erscheinen werden. Es werden 2 Bände sein, einer über den Ganges und ein weiterer über den Himalaya. Es ist alles schon recht weit gediehen und sieht, auf dem PDF zumindest, schon mal sehr gut aus. Ich kann es kaum erwarten, ein paar meiner Fotos in hervorragender Qualität gedruckt zu sehen. Sobald es soweit ist, melde ich mich noch mal mit ein paar detaillierten Informationen.
Einen Vortragsabend möchte ich Euch auch ankündigen. Hier in Pillnitz, am Stadtrand von Dresden, ist dieses Jahr Indien zu Gast. Der ganze Park ist, zwar völlig anders, aber ebenso wunderschön wie sonst bepflanzt und vor dem Hintergrund des Lebens von Gustav Hermann Krumbiegel, einem Gärtner mit sächsischen Wurzeln, der Ende des vorletzten Jahrhunderts nach Indien auswanderte um dort den Maharadschas Blümchen in ihre Schrebergärten zu pflanzen, finden den ganzen Sommer verschiedenste Veranstaltungen (hier ist das komplette Programm) mit Bezug zu Indien statt. Eine dieser Veranstaltungen ist mein Vortrag Indien zwischen den Welten, der am Samstag, den 23. Juli um 19:30 Uhr in der Orangerie des Parks zu sehen sein wird. Karten zu 18,/15, (erm.) gibt es unter 0351-2613260, im Eintrittspreis ist der Parkeintritt schon enthalten. Ich freue mich sehr über die Einladung der Schlossverwaltung und bin sicher, es wird ein ganz besonderer Abend mit ungewöhnlichem Ambiente.
So schön und interessant es in Indien auch immer wieder ist, Europa hat auch eine ganze Menge zu bieten. Ich wollte schon lange mal in die Toskana und hab mir diesen Wunsch im Mai diesen Jahres erfüllt. Ich hatte mein Mountainbike dabei und bin 2 Wochen fotografierend, Pizza essend und Cappuccino trinkend dort unten rumgeradelt. Die 1000 Radkilometer haben meinen Beinen gut getan und die Fotos meinem Archiv. Wenn ihr mal einen Blick drauf werfen wollt, hier sind ein paar.
Aber Asien hat seine Anziehungskraft auf mich natürlich nicht verloren, Mitte August fliege ich für 2 Monate nach Nepal. Es ist zwar Monsunzeit, aber ich hoffe mal, dass es nicht durchgängig Wasser vom Himmel schüttet und es vielleicht einige ungewöhnlich schöne Motive aus den Nebelschwaden auf meine Speicherkarten schaffen. Ich hab mich mittlerweile von meiner kompletten Nikon D 800 Ausrüstung verabschiedet und bin, mit ein paar wenigen Abstrichen, ziemlich begeistert von einer Sony a 6300 mit ein paar sehr guten Festbrennweiten. Bei dem Großteil meiner Motive ist ein qualitativer Unterschied zwischen den Fotos kaum noch zu erkennen, aber gewichtsmäßig trennen gefühlt Welten die beiden Systeme. Ich bin sehr gespannt auf diesen Trip!
Soweit erst einmal. Ich wünsche Euch allen einen schönen Sommer, erholsame und trotzdem interessante Ferien und würde mich natürlich freuen, den einen oder die andere von Euch am 23. Juli in Pillnitz zu sehen. Bis dahin, herzliche Grüße aus der schönen Stadt an der Elbe, Frank Bienewald



DRESDEN, Mitte Januar 2016

Liebe Sachsen,
ich möchte Euch nur kurz mitteilen, dass mein Vortrag Überland – mit dem Fahrrad von Dresden nach Indien am Montag, den 25.1.2016 in der Drogenmühle Heidenau AUSVERKAUFT ist. Das war gleich eine schöne Willkommens-Überraschung, bin ja gestern abend erst aus Nepal zurückgekommen!
Da in der Drogenmühle aber immer noch Kartenanfragen eingehen und wir die Leute nicht wegschicken wollen, haben wir vorhin beschlossen, noch eine Wiederholungsveranstaltung dranzuhängen. Allerdings werden wir die vorn, also am Sonntag nachmittag, dranhängen, da wir keinen anderen Abendtermin finden konnten. Entweder war die Drogenmühle mit anderen Veranstaltungen belegt oder ich bin mit Vorträgen woanders unterwegs. Aber der Sonntag ist ja vielleicht auch mal ein schöner Termin für diejenigen, die sonst in der Woche keine Möglichkeit haben, zu den Vorträgen zu kommen. Oder auch für diejenigen, die gern mal ihre Kinder mitbringen möchten.
Hier die Eckdaten für die vorgezogene Wiederholungsveranstaltung am Sonntag, den 24.1.2016:
Vortragsbeginn: 17:00 Uhr (also bitte pünktlich dasein!)
in der Pause gegen 18:00 Uhr gibt es die Suppe und die Vorspeise
nach Ende des Vortrages gegen 19:00 Uhr wird dann das Hauptgericht und das Dessert serviert
Die Karten kosten wie üblich 20,- pro Person für Vortrag und leckeres 4-Gänge-Menü, Kinder zahlen diesmal nur 17,-.
Karten verkauft die Drogenmühle direkt, tel.: 03529-518538.
Ich freu mich sehr, dass dieser Vortrag, mit dem in der Drogenmühle vor mittlerweile 13 Jahren so einiges ins Rollen gekommen ist, immer noch auf so viel Interesse stößt. Dieser Radausflug, der von Ende September 2000 bis Anfang Mai 2002 gedauert hat, bei dem ich mit dieser Klapperkiste von Fahrrad 35.123 Kilometer und 217.282 Höhenmeter zurückgelegt habe und mit meinem Hintern 1903 Stunden auf dem Sattel rumgerutscht bin (hab grad noch mal in mein Tagebuch geschaut), war auf jeden Fall meine vielseitigste und interessanteste Reise, vielleicht auch die, die mich am meisten verändert und geprägt hat. Da ist auch der Grund, warum ich Überland immer noch so gerne zeige, es war einfach eine großartige Tour!
Wir freuen uns auf Euch! Bis bald und ganz herzliche Grüße, Frank Bienewald



KATHMANDU, Mitte Dezember 2015

Liebe Leute,
da ich lange nix mehr von mir hören lassen hab, ist doch die Weihnachtszeit ein schöner Anlass für ein paar Grüße, diesmal aus Nepal. Da ich weiß, dass nicht alle Lust auf lange Mails haben, vielleicht das Wichtigste am Anfang. Eine gesegnete und friedliche Weihnachtszeit für Euch alle und Eure Familien und Freunde! Wir können uns alle glücklich schätzen, dass wir immer noch in mehr oder weniger gesicherten Verhältnissen leben dürfen und nicht mit ein paar wenigen Habseligkeiten über der Schulter irgendwo in der Welt auf der Flucht umherirren müssen. Oder auch, wenn ich hier viele Nepalis seit dem Erdbeben im April immer noch in Zelten leben sehe, weil ihnen die Häuser unterm Hintern zusammengefallen sind, dann relativieren sich viele unserer Probleme ziemlich schnell. Weiße Weihnachten unfreiwillig im Zelt wäre sicher nicht ganz so schön…
Ich kann mir gut vorstellen, Nepal mittelfristig mal als neues Vortragsthema anzupacken, nicht zuletzt auch weil ich hoffe, damit ein paar Leute mehr für dieses wunderschöne Land mit seinen freundlichen und fröhlichen Bewohnern zu begeistern. Mit Indien ist dies ja auch oft gelungen. Was ich grad hier mache, schreibe ich für die ausdauernden Leser unter Euch weiter unten. Vorher schnell noch ein paar Hinweise auf ein paar der Vorträge ab Januar, ich freue mich sehr, dass Indien – zwischen den Welten solch einen Zuspruch findet. Wenn Ihr in München, Stuttgart, Hamburg oder Berlin zuhause seid, seid Ihr herzlich in die Globetrotter-Filialen eingeladen. Globetrotter hat mich für meinen neuen Indienvortrag mit der Auszeichnung “Globevisionär bedacht und mich zu einer Tournee durch alle Filialen eingeladen. Vielen Dank dafür! Ich freu mich ja auf alle Vorträge, die ich zeigen darf, aber auf einige davon besonders. Zum Einen auf Überland – mit dem Fahrrad von Dresden nach Indien am 25.1.16 in der Drogenmühle in Heidenau. Und zwar deshalb, weil mit genau diesem Vortrag vor nunmehr 12 Jahren meine Vortragsaktivität in der Drogenmühle begann. Ich zeige Überland immer noch in der Originalfassung (ausser ner kleinen Zugabe am Schluß). Wie gewohnt gibts zum Vortrag wieder ein landestypisches 4-Gänge-Menü, ich bin gespannt, was Burkhard Hammermann und sein Team für das Revival auf die Teller zaubern wird! Zum Anderen bin ich am 22.1.16 nach einigen abstinenten Jahren mal wieder im Q24 in Pirna zu Gast, mit Indien – zwischen den Welten. Alle weiteren Vortragstermine findet Ihr hier , Karten bekommt Ihr direkt bei den Veranstaltern. Ich kann Euch diesmal leider keinen VVK anbieten, da ich erst am 10.1.16 aus Nepal zurückkomme.
Soweit die Kurzfassung, ich will Euch nicht weiter von den Weihnachtsvorbereitungen abhalten und wünsche Euch schöne, besinnliche und friedliche Festtage!
Für diejenigen von Euch, die gerne noch weiterlesen möchten, gibts hier noch ein paar mehr Infos.
Da kann ich ja jetzt bissl weiter ausholen. Seit der letzten Rundmail ist schon noch bissl was passiert. Ich bin zunächst mal restlos glücklich, dass die (hoffentlich letzte im Zusammenhang mit dieser unseligen Messerstecherei letztes Jahr in Rajasthan) Op so gut verlaufen ist! Ich war im April noch mal für 3 Wochen zur Reha in der Sächsischen Schweiz, unmittelbar darauf bin ich nach Indien geflogen. Ich hatte eine Fotoreise zu begleiten und war für mich privat für 4 Wochen im Garwhal-Himal bei den Gangesqellen zum Fotografieren unterwegs. Aber vor alledem hab ich das getan, was mir am meisten am Herzen lag, ich hab die Ärzte im AIIMS-Hospital in Delhi besucht. Größte Freude auf beiden Seiten! Da ich die ganze Zeit ohnehin schon Mailkontakt mit dem Arzt, der mich operierte, hatte, wußten sie natürlich, dass ich (zu ihrem Erstaunen) noch (oder wieder) am Leben war, aber sich so leibhaftig gegenüber zu stehen ist dann schon doch noch mal was anderes. Es war mir ein großes Bedürfnis, mich für alles, was sie für mich getan haben, zu bedanken. Den gleichen Dank haben auch die Ärzte und der Rikscha-Fahrer in Bikaner verdient, aber ich muß gestehen, dass ich mich dort im Moment nicht hinwage. Die beiden Typen, die mir dort ihr Messer in den Bauch gesteckt haben, sind immer noch nicht dafür zur Rechenschaft gezogen worden, sie waren zwischenzeitlich sogar gegen Kaution auf freiem Fuß. Unbegreiflich! Es ist nicht so, dass ich Angst hätte, aber vielleicht sollte ich vernünftigerweise das Schicksal nicht zu sehr herausfordern. Kann gut sein, dass meine Schutzengel immer noch erschöpft und noch nicht wieder einsatzbereit sind. Aber genug davon, ich bin glücklich, dass ich noch am Leben bin. Ohne die Hilfe auch vieler Menschen hier, Ärzte der Uniklinik Würzburg, Agnes und auch meine Familie, wäre ich es vielleicht nicht mehr.
Die Zeit im Garwhal war, trotz sehr viel Regen, Schnee und Kälte sehr schön, auch Indien – zwischen den Welten profitiert davon mit einer Sequenz neuer Fotos. Für mich war es auch ein wieder Herantasten an Indien, was zu meiner Erleichterung auch ganz gut gelungen ist. Es war gut, mal wieder heiligen Boden unter den Füßen zu haben, die Gangesquellen zählen mit zu den wichtigsten spirituellen Orten für Hindus. Mindestens einmal im Leben sollte jeder gläubige Hindu mit einem Bad im eiskalten Gletscherwasser in Gaumukh die Sünden des ganzen Lebens abspülen. Das Wasser, welches gerade erst vom Bhagirathi-Gletscher abgeschmolzen ist, hat maximal 1 Grad Celsius. Es kostet schon etwas Überwindung, da reinzuhechten! Aber die Aussicht auf eine blütenweiße Karma-Weste ist mit Sicherheit ein kraftvoller Motivator. Ich hab mich vor einigen Jahren auch mal in die heiligen Fluten gestürzt, auch auf meiner Weste hatten sich im Lauf der Jahre ein paar Dreckflecken angesammelt. Aber es hat, zumindest bei mir, nix genützt, so einfach ließen sich die diversen Fehltritte dann doch nicht abspülen. Also hab ich es diesmal gleich gelassen, bin eh nicht so der Held im kalten Wasser. Muß ich eben mit meinen Sünden leben….
In Gangotri hab ich einen sehr interessanten Sadhu kennengelernt. Swami Sundaranand, mittlerweile 89 Jahre alt, hat fast sein ganzes Leben im Garwhal-Himal verbracht. Vor vielen Jahren hat er von einem Expeditionsteilnehmer eine Kamera geschenkt bekommen und angefangen, die gesamte Hochgebirgsregion da oben zu dokumentieren. Herausgekommen ist dabei ein opulenter Bildband mit vielen außergewöhnlichen Fotos, die es sonst wohl nicht gäbe. Er hatte soviel zu erzählen, ich hab stundenlang in seinem Häuschen gehockt um ihm zuzuhören. Die für mich interessanteste Aussage war die, dass es, wenn die globale Erwärmung weiter so voranschreitet, begleitet vom Abschmelzen der Gletscher, in vielleicht 50 Jahren keinen Baghirathi-Gletscher mehr gibt und damit keine Gangesquelle und wiederum damit auch keinen Ganges mehr. Schlecht vorstellbar, Indien ohne seinen heiligsten Fluß, aber die Geschwindigkeit, mit der sich der Gletscher aktuell zurückzieht, macht seine Prophezeihung sehr wahrscheinlich. Dann muß ne neue Möglichkeit der Karma-Wäsche gefunden werden. Und einiges andere auch.
Ich war natürlich auch an den anderen Plätzen der Dschaar Dham, der Pilger-Yatra durch den Garwhal. In Kedarnath gibt es mittlerweile einen Helicopter-Shuttle-Service. 10 Helis fliegen die 20 km lange Strecke zum Kedarnath-Tempel täglich je 28 mal, das macht 560 Flüge pro Tag, 280 hoch und 280 wieder runter. Ein Wahnsinn! Ich bezweifle sehr stark, dass solche Entwicklungen dem Abschmelzen des Baghirathi-Gletschers um die Ecke viel entgegenzusetzen haben. In Badrinath hatte ich gehofft, Narayan Giri, den Sadhu, den ich 2007 mal so fotogen am Fuße des Neelkanth meditierend ablichten konnte, wiederzusehen, aber leider war er nicht da und niemand wußte, wo er sein könnte. Sehr schade! Die restlichen wenigen Tage in Rishikesh waren dann eher etwas fad, obwohl es dennoch ein paar besondere Fotomotive mit den Pilgern gab. Aber mehr noch hab ich das abwechslungsreichere Essen und vor allem das Obst genossen. Die anschließende Fotoreise durch Ladakh war im Verhältnis zu der oft eher unkomfortablen Herumreiserei im Garwhal dann Luxus pur, mit bequemen Pkw’s, sehr schönen Unterküften und hervorragendem Essen. So macht fotografieren auch mal Spass, obwohl mir persönlich, muß ich gestehen, meine einfache Art zu reisen schon lieber ist.
Der restliche Sommer war dann relativ flott vorbei, ein paar Vorträge zum Beginn der Saison und dann wurde es schon Zeit zum Rucksack packen für Nepal. Als ich in Kathmandu ankam, ging gar nichts. Zum Einen war Festival-Saison, alle Büros und die meisten Läden sind für einige Tage geschlossen. Die denkbar ungünstigste Zeit, um Trekking-Permits zu besorgen. Zum Anderen gibt es im Moment (eigentlich seit nunmehr 3 Monaten) politische Querelen mit Indien, mit der Folge, dass Indien jegliche Warenlieferungen nach Nepal komplett eingestellt hat. Das Ganze nimmt langsam dramatische Ausmaße an, einige Güter wie z.B. Diesel und Benzin, aber auch Medikamente und Lebensmittel sind mittlerweile aufgebraucht. Benzin wird gerade auf dem Schwarzmarkt für bis zu 6,- pro Liter gehandelt. Gas zum Kochen gibt es keins mehr, die Menschen greifen inzwischen auch in Kathmandu wieder auf Holz zurück. Patienten in den Krankenhäusern können z.T. nicht mehr behandelt oder versorgt werden, weil Medikamente fehlen. Und, und, und… Dies ist das Allerletzte, was die Menschen hier im Moment brauchen. Sie sind noch soweit davon entfernt, die Folgen des Erdbebens so halbwegs überwunden zu haben! Soweit ich die Gründe dafür richtig verstanden habe, hat die nepalesische Regierung in ihrer kürzlich neu formulierten Verfassung eine große Gruppe der Bevölkerung, die Hinduisten im Terrai, politisch benachteiligt. Diese setzte sich mit einer Blockade der Grenzübergänge nach Indien zur Wehr. Indien, schon lange scharf auf die Ländereien des Terrai, unterstützt die Menschen dort bei ihren Unabhängigkeitsbemühungen, indem es seinerseits sämtliche Warenlieferungen nach Nepal eingestellt hat. Verhandlungen mit Indien laufen zwar, aber extrem zäh und bisher ergebnislos. Wie auch nicht anders zu erwarten. Verhandlungen mit China haben auch nichts gebracht, China will sich wegen solcher Lapalien natürlich auch nicht mit Indien anlegen. Und das wars dann schon mit Anrainerstaaten. Man kann nur auf eine möglichst baldige Lösung hoffen, bevor hier alles kollabiert.
Ich hab die Auswirkungen dieses Konfliktes schon gleich nach meiner Ankunft hier gespürt, es fuhren keine Busse in Richtung Tumlingtar, dem Ausgangspunkt meiner Wanderung in Richtung Namche Bazar und die Gegend zu Füßen des Mt. Everest. Ich mußte notgedrungen fliegen, das hatte ich so nicht vor. Aber andererseits bin ich so auch um eine lange, unbequeme Busfahrt herumgekommen, der teuer erkaufte Luxus hatte auch was Positives. Der erste Teil meiner Tour war eine Art Zeitreise in ein Nepal weit weg vom Tourismus. Einsame Täler, ab und zu ein kleines Dorf, schlafen und essen bei den Leuten in den Dörfern. Der Weg war oft etwas schwierig zu finden, es war auch nicht immer gleich jemand zum Fragen zur Hand, aber letztendlich bin ich dann doch dort gelandet, wo ich hinwollte, in Namche Bazar. Dort war genau das Gegenteil von einsam, ein Hotel am anderen und mittlerweile auch eine German Bakery an der anderen. Zu meiner Freude als Kaffeesachse! Ich wollte ursprünglich nur zum Everest Base Camp (welches es im Moment gar nicht gibt, wie ich nach 3-stündigem Herumsuchen mit 3 Dresdnern auf dem Khumbu-Gletscher feststellen mußte) und zum Kala Pathar. Aber da das Wetter fast die ganze Zeit zwar sehr kalt, aber ansonsten hervorragend war, wollte ich gar nicht wieder runter und bin über den Cho La ins Gokyo-Tal und dann weiter über den Renjo La nach Namche zurück gelaufen. Die Aussicht von den Pässe und auch von den beiden Hausbergen Kala Pathar und Gokyo Ri, 5.545 und 5.360 m hoch, war atemberaubend. Ich glaube, einige der Fotos waren die nach kurzer Zeit steifgefrorenen Hände absolut wert. Ich bin dann nach einem kurzen Zwischenstopp in der German Bakery in Namche noch mal auf einem anderen Weg ein Stück hoch gegangen, wollte unbedingt von Mong La noch ein paar schöne Sonnenuntergangsfotos vom Ama Dablam machen, aber dort hat mir das Wetter dann doch mal einen Strich durch die Rechnung gemacht. Dazu kam ein ätzender Husten wegen des ständigen eiskalten Windes. Die Kombination aus Wolken, Kälte und Husten hat mich dann in einen Anflug von Vernunft umkehren lassen, schliesslich wollte ich noch den ganzen Weg nach Jiri wieder zurückgehen. Und jetzt, nach einem ganzen Monat auf und ab bin ich zurück in Kathmandu, bin total happy mit meiner Fotoausbeute und überlege (natürlich in ‘ner German Bakery…), was ich in den noch verbleibenden 3 Wochen bis zu meinem Rückflug noch anstellen könnte. Auf jeden Fall nix mehr in großer Kälte!
Ich wünsche Euch allen schöne Weihnachtstage und freue mich, den einen oder die andere bei einem der Vorträge in den nächsten Wochen zu sehen. Bis dahin, danke für die Leseausdauer und ganz herzliche Grüße aus Kathmandu, Frank Bienewald



WÜRZBURG, Anfang Februar 2015

Liebe Sachsen,
auch auf die Gefahr hin, dass ich der Einen oder dem Anderen vielleicht auf die Nerven gehe, aber auch die 2. Wiederholungsveranstaltung von Indien zwischen den Welten in der Drogenmühle in Heidenau ist mittlerweile ausverkauft. Wir sind leicht ratlos, aber da nach wie vor Kartenbestellungen und Anfragen eingehen haben wir beschlossen, noch einen indischen Abend dranzuhängen. Dieser wird am Dienstag, den 3.3.15 um 19:00 Uhr beginnen. Das Procedere wird das Gleiche sein, die Küche (mittlerweile könnte sich die Drogenmühle mit guten Erfolgsaussichten um den Award des besten indischen Spezialitätenrestaurants in Zentralsachsen bewerben) wird ein wunderbares 4-Gänge-Menü zaubern und ich werde Euch als 5. Gang meine aktuellste Indiengeschichte präsentieren.
Ich hab seit der Premiere Anfang Oktober noch ganz schön dran herum gefeilt, es hat sich einiges geändert. Wahrscheinlich zum Guten, es gab jede Menge positives Feedback nach vielen Vorträgen seit dem Herbst. Für mich ist es ein gutes Gefühl, möglichst vielen Menschen ein anderes als im Moment durch die Medien verbreitetes Bild von Indien vermitteln zu können. Obwohl es die düstere Kehrseite ja durchaus auch gibt. Aber trotz eigener äußerst unguter Erlebnisse im letzten Jahr bin ich dennoch davon überzeugt, dass diese düstere Kehrseite keineswegs repräsentativ für das ganze Land ist.
Letzte Woche durfte ich den Vortrag vor knapp 800 Gästen in Freiburg zeigen, das war schon ein sehr schönes Gefühl. Aber trotzdem, die Atmosphäre in der heimischen Drogenmühle ist einfach nicht zu toppen!
Karten für den 3.3.15 könnt Ihr direkt in der Drogenmühle erwerben ( Tel. 03529-518538 ) oder gerne auch online über mich. Schickt mir einfach eine Mail mit dem Betreff VVK Drogenmühle 0303 und ich schicke dann die Überweisungsformalitäten zurück. Die Karten kosten 20,- pro Person, Vortrag und Menü sind enthalten. Nach Geldeingang schicke ich Euch die Karten zum Selbstausdrucken zu.
Ich bedanke mich bei Euch für das große Interesse, bei der Drogenmühle für das große Engagement und freue mich auf 4 schöne Abende mit Euch.
Ganz herzliche Grüße, Frank Bienewald



WÜRZBURG, Mitte Januar 2015

Liebe Sachsen,
da die Nachfrage nach Karten für den in meiner letzten Mail angekündigten Vortrag Indien zwischen den Welten in der Drogenmühle in Heidenau nicht abreißt, möchte ich Euch nur kurz davon informieren, dass wir am Montag, den 2.3.15 um 19:00 Uhr noch eine Veranstaltung anhängen. Auch die Wiederholungsveranstaltung am Dienstag, dem 24.2. war innerhalb weniger Tage ausverkauft. Dieses unerwartet große Interesse freut mich natürlich sehr, zumal ich auch selber eine Riesenfreude daran habe, meinen neuen Vortrag zu zeigen.
Einen kleinen Trailer zum Vortrag könnt Ihr hier anschauen, eine kleine Beschreibung findet sich hier.
Auch für den 2.3. läuft alles wie bestens bewährt, es wird ein leckeres 4-Gänge-Menü geben und ich möchte mit meinem Online-Kartenvorverkauf auch wieder die Drogenmühle beim Kartenverkauf etwas unterstützen.
Wer dies nutzen möchte, schreibe mir einfach eine Mail mit dem Betreff VVK Drogenmühle 0203 und ich schicke dann die Überweisungsformalitäten zurück. Die Karten kosten 20,- pro Person, Vortrag und Menü sind enthalten.
Ich freue mich sehr auf nun mittlerweile 3 schöne Abende mit Euch! Ganz herzliche Grüße, Frank Bienewald



WÜRZBURG, Mitte Januar 2015

Liebe Sachsen,
der in meiner letzten Mail angekündigte Vortrag Indien zwischen den Welten in der Drogenmühle in Heidenau war leider (naja, leider… mich freut’s natürlich!) innerhalb von 3 Tagen ausverkauft. Ich habe vorhin mit dem Drogenmüller gemeinsam beschlossen, wegen der immer noch eingehenden Kartenbestellungen eine Zusatzveranstaltung am Dienstag, den 24.2.15 zu machen. Es wird natürlich auch ein leckeres leckeres 4-Gänge-Menü geben, genau wie am 23.2.. Auch für diese Veranstaltung kann ich parallel zum Kartenvorverkauf in der Drogenmühle wieder Online-Karten anbieten. Wer dies nutzen möchte, schreibe mir einfach eine Mail mit dem Betreff VVK Drogenmühle 2402 und ich schicke dann die Überweisungsformalitäten zurück. Die Karten kosten 20,- pro Person, Vortrag und Menü sind enthalten.
Ich freue mich sehr über dieses große Interesse und auf 2 schöne Abende mit Euch! Ganz herzliche Grüße, Frank Bienewald



WÜRZBURG, Anfang Januar 2015

Liebe Leute,
Weihnachten ist vorbei und ein neues Jahr beginnt. Ich wünsch Euch allen, dass in diesem Jahr möglichst viel gelingt und vor allem, dass es ein friedliches Jahr wird. Was man vielleicht nicht mehr unbedingt als gegeben voraussetzen kann, wenn man sich anschaut, an wie vielen Ecken unserer Welt Chaos herrscht.
Nach meinen unguten Erlebnissen in Indien im letzten Jahr wünsche ich mir das für mich persönlich auch. Anfang Dezember musste ich noch mal ins Krankenhaus, als abschliessende Op dieser eher grausligen Geschichte wurde meine Bauchmuskulatur wieder rekonstruiert. Zum Glück hat das besser geklappt als sogar von den Operateuren erwartet, im Moment sieht es ganz so aus, als ob ausser ein paar Narben wenig zurückbleiben wird. Ob ich mich aber in Indien noch so unbefangen und vertrauensvoll bewegen kann, werde ich rausfinden, wenn ich wieder mal dort sein werde. Ich weiß natürlich, dass auch in Indien nicht alle der 1.300 Millionen Menschen immer nur lieb sind, hätte aber nie erwartet, dass ich jemals in solch eine Situation geraten könnte. Die Gefahr, ohne eigenes Zutun einfach mal so ein Messer in den Bauch gesteckt zu bekommen, bestand dort für mich einfach nicht. Die beiden Jugendlichen standen am Tag meiner Op auch in Bikaner vor Gericht. Mit 19 Jahren nach indischem Recht noch minderjährig, haben sie für ihre Tat eine maximale Strafe von 3 Jahren Jugendarrest zu erwarten. Dafür, dass ich das alles nur mit sehr viel Glück überhaupt überlebt habe, erscheint mir das wie ein Klaps auf den Popo. Ich weiß allerdings nicht, was am Ende bei der Verhandlung herausgekommen ist. Um das zu erfahren oder zu beeinflussen, müßte ich in Indien einen Rechtsanwalt mit der Wahrnehmung meiner Interessen beauftragen. Aber da ich noch nicht einmal zur Zeugenaussage geladen wurde, scheint selbst seitens der Rechtsprechung offenbar wenig Interesse an einer Aufklärung dieser Tat zu bestehen und wer weiß, vielleicht sind die beiden schon wieder auf freiem Fuß. Ich bin froh, dass ich noch am Leben bin und werde nicht anfangen, dort drin herumzustochern.
Indien kommt ja seit geraumer Zeit in den westlichen Medien nicht so besonders gut weg. Viele der angeprangerten Mißstände werden, so finde ich, auch völlig zu Recht publiziert. Die immer wieder aufgedeckten Gewalttaten, besonders an Kindern oder Frauen, sind einfach mal nicht tolerierbar. Auch nicht bei allem Verständnis fremden Kulturen gegenüber. Ich könnte mit meinen Erlebnissen im vergangenen Jahr auch mit Recht und voller Kraft in diesen Tenor einstimmen, möchte das aber trotzdem nicht. Ich sehe Indien immer noch als eines der sichersten Reiseländer der Welt, in dem bestimmt nur ein ganz, ganz geringer Teil der Bevölkerung überhaupt die kriminelle Energie für Straftaten wie Vergewaltigungen oder Messerattacken entwickelt. Auch, wenn meine subjektive Sicht damit nicht mit der von unseren Medien, aus was für Gründen auch immer, erzeugten Indien-Stimmung konform geht. Aber genau das ist auch etwas, was ich an der Möglichkeit schätze, in Vorträgen auch über andere Dinge zu berichten als über die, die mit großen Buchstaben übers Volk geschüttet werden.
Aber dennoch sind offenbar immer noch sehr viele Menschen bei uns von Indien fasziniert und so freue mich auf die Vorträge in den kommenden 2 Monaten. Auf zwei Veranstaltungen möchte ich besonders hinweisen. Zum Einen auf das Indien-Wochenende am 7. und 8. Februar 2015 in Stuttgart, Olaf Krüger hat im Lindenmuseum 2 Tage voll mit Indien gepackt. Und zum Anderen kann ich meinen neuen Vortrag Indien zwischen den Welten auch endlich mal in der Drogenmühle in Heidenau zeigen, meinem Lieblings-Vortragsort. Burkhard Hammermann und sein Team werden zum Vortrag am 23.2.2015 wieder ein leckeres 4-Gänge-Menü zaubern, schon allein für das Essen lohnt es sich zu kommen. Für diese Veranstaltung kann ich parallel zum Kartenvorverkauf auch wieder Online-Karten anbieten. Wer dies nutzen möchte, schreibe mir einfach eine Mail mit dem Betreff VVK Drogenmühle und ich schicke dann die Überweisungsformalitäten zurück. Die Karten kosten 20,- pro Person, Vortrag und Menü sind enthalten. Erfahrungsgemäß sind die Indien-Abende immer recht schnell ausverkauft, die gemütliche kleine Mühle ist einfach kein Hörsaal. Zum Glück!
Mit meinem neuen Vortrag Indien zwischen den Welten bin ich ziemlich glücklich. Ich hab in der Zeit nach der Premiere noch einige Kleinigkeiten verändert, aber so im Großen und Ganzen ist der Vortrag genau so geworden, wie ich es wollte. Andere scheinen ebenso angetan zu sein, die Jury des internationalen Vortragswettbewerbs El Mundo in Österreich zeichnete meinen Vortrag im Oktober mit dem Preis für Beste Fotografie aus und der Outdoor-Ausrüster Globetrotter bedachte mich nun schon zum zweiten Male mit dem Prädikat Globevisionär. Vielen Dank für die Wertschätzung!
Die eher bewegungsarme Zeit im Krankenhaus Anfang Dezember hab ich neben Wieder-auf-die-Beine-kommen auch dafür genutzt, die Fotos auf meiner Webseite zu überarbeiten, jetzt gefällt mir auch das wieder. Falls Ihr mal schauen wollt, hier isses.
Jetzt ist die Mail wieder viel länger als geplant geworden. Eigentlich wollte ich Euch nur ein Gutes Neues Jahr wünschen, mit vielen interessanten Begegnungen, mit ebenso vielen Glücksmomenten und Zufriedenheit. Da das Leben, wie ich es im März selbst erfahren musste, ja auch schnell mal dramatisch anders sein kann, wäre es doch schön, das Beste aus dem machen zu können, was man gerade hat. Und da mir das auch nicht immer auf Anhieb gelingt, wünsche ich es mir gleich mal mit!
Bis bald mal wieder, herzliche Grüße, Frank Bienewald



WÜRZBURG, Ende August 2014

Liebe Leute,
ich freue mich sehr, dass mein neuer Vortrag INDIEN zwischen den Welten nun endlich (so gut wie) fertig ist und ich Euch ruhigen Gewissens die Premiere am 3.10.2014 um 19:00 Uhr in den Räumen der Deutschen Werkstätten Hellerau in Moritzburger Weg 67, 01109 Dresden ankündigen kann.
Ich habe in den letzten beiden Jahren sehr viel Zeit mit diesem Projekt verbracht. An Fotos mangelt es nicht mehr, vielmehr ist es eher schwierig, so viele gute Bilder oder ganze interessante Themen abzuwählen, da sonst die Vortragsdauer aus allen Nähten platzt. Von meinen mittlerweile 22.000 Fotos zu Indien kriegt Ihr also höchstens 500 zu sehen. Fast noch schwieriger war die Suche nach einem roten Faden. Ich wollte ein Thema, welches für Euch interessant sein sollte, aber natürlich auch für mich! Nach vielen anderen, wieder verworfenen Ideen fand ich zwischen den Welten schließlich am besten. Ich bin ja in Indien meist eher auf der Suche nach den traditionellen Sachen, da ich befürchte, die werden irgendwann verschwunden sein und habe bisher die mittlerweile unübersehbaren Ergebnisse westlicher Einflüsse beharrlich ignoriert. Dieser Untertitel aber hat mich gezwungen, den bis dahin teilweise doch recht hohen Tellerrand meiner Sichtweisen mal bissl runterzuknabbern und ich war überrascht, wie spannend dieses neue Indien auch ist.
Nach dem etwas zerfahrenem Leben im letzten Jahr, in dem so vieles schiefging, war ich froh, mich mal wieder ein erfolgversprechendes Ziel vor Augen zu haben und hab begeistert die Ärmel hochgekrempelt. Von der 2-monatigen Indienreise im Herbst hatte ich Euch ja schon berichtet. Mein neues Thema hat mir wirklich die Augen geöffnet für all das, was Indien mittlerweile irgendwo zwischen den Welten eingeordnet hat. Gerade in Städten wie Mumbai oder Allahabad kann man wunderbar beobachten, wie sich Städte- und Kulturlandschaften zum Teil brachial verändern. Sehr schicke Hochhäuser schießen wie Pilze aus dem Boden und drängen die Wellblechsiedlungen erbarmungslos zurück. Für einen Moment könnte man glauben, dass es der Stadt gut täte, wenn die Slums verschwinden, aber was ist mit den Menschen? Niemand von denen, die in Dharavi Müll sortieren oder in Mahalaxmi Wäsche waschen, wird es sich jemals leisten können, in diese Luxuswelt einzutauchen und mit ihnen noch ein paar Millionen mehr. In den riesigen Supermärkten und Shopping-Malls sieht es aus wie bei uns und es ist, trotz zum Teil ähnlicher Preise, keineswegs leer. Die stetig wachsende und sehr gut verdienende Mittelschicht Indiens bekommt neue Lebensinhalte serviert und greift begeistert und dankbar zu. Die Kontraste sind riesig und das Potential für soziale Entgleisungen steigt in beängstigende Höhen. Noch halten Philisophie und Religion alles einigemassen zusammen, aber was wird sein, wenn diese stützenden Säulen mal bröckeln? Ich hab mit vielen Menschen darüber gesprochen und voller Erstaunen dennoch immer wieder gehört, dass ihnen ihre Traditionen keineswegs egal seien. Es scheint, als ob vielen der Spagat zwischen gestern und morgen ganz gut gelänge. Aber was ich wahrnehmen kann, ist natürlich nur winzig kleiner Ausschnitt an der Oberfläche eines sehr komplexen Gefüges.
Ich bin nach wie vor der Meinung, dass die so tief verwurzelten Religionen in Indien unglaublich viel Toleranz schaffen und somit auch das Gewaltpotential sehr niedrig halten, habe aber Ende März in Bikaner in Rajasthan auch genau das Gegenteil am eigenen Leib spüren müssen. 2 junge Männer, die am Rande des großen, am Morgen noch leeren Platzes vor dem Junagarh Fort einen älteren Mann wegen Familienstreitigkeiten niedergstochen haben und mich mit der Kamera in der Hand in der Nähe sahen, beschlossen wahrscheinlich blitzschnell, mich als möglichen Zeugen dieser Gewalttat gleich mit aus dem Weg zu räumen, rollten lautlos auf einem Motorrad von hinten an mich heran und rammten mir ein Messer in die Leiste. Dabei wurden eine große Arterie und der Dünndarm verletzt, ich hab es gerade noch so geschafft, mich in eine Rikscha zu werfen, bevor ich das Bewußtsein verlor. Der Rikscha-Fahrer war ein Held. Die meisten seiner Kollegen hätten mich sicher zur Müllhalde gefahren, um nicht in irgendeine komische Geschichte hineingezogen zu werden, er hat mich tatsächlich ins Krankenhaus gebracht! Anschließend bin ich 2 Wochen lang in verschiedenen staatlichen indischen Krankenhäusern (ohne Worte) mit mehreren Notoperationen zwischen Leben und Tod rumgependelt bis es Agnes und meiner Schwester mit einem riesigen Kraftakt gelungen ist, mich Anfang April nach Deutschland zurückfliegen zu lassen. Eine weitere Operation hier in der Uniklinik Würzburg hat mir dann vielleicht endgültig das Leben gerettet. Ich erspare Euch die Einzelheiten, alles zusammen war ein unbeschreiblich finsterer Alptraum!!! Ich hätte nie für möglich gehalten, dass ich in Indien mal in so eine Situation gerate! Mittlerweile geht es mir wieder ziemlich gut, aber eine (hoffentlich) abschließende OP steht noch aus. Ich schreibe oder berichte ja oft begeistert von faszinierenden Erlebnissen und Begegnungen mit interessanten Menschen, die ich erlebt habe. Aber ich weiß natürlich auch, dass es Gewalt und Ungerechtigkeit gibt. Von 1,3 Milliarden Menschen sind nicht alle nur lieb. Ich habe mich aber in den ganzen mittlerweile über 4 Jahren in Indien noch nie bedroht oder in Gefahr gefühlt. Doch jetzt kann ich einfach nicht mehr sagen, mir sei in Indien noch nie was passiert. Deshalb möchte ich das auch hier kurz mit erwähnen, ohne Euch beunruhigen zu wollen. Ich bin mir sicher, dass diese Tat nicht gegen mich persönlich gerichtet war, ich war einfach zur falschen Zeit am falschen Ort. Nach wie vor denke ich, dass Indien eins der sichersten Reiseländer der Welt ist und freue mich darauf, wieder mal dort unterwegs zu sein. Aber klar, man weiß einfach nie, was der neue Tag einem bringt.
Die geplante 2-monatige Tour durch Südindien und Rajasthan war damit nach 5 Wochen ziemlich abrupt zuende. Deshalb wird in INDIEN zwischen den Welten auch nur wenig von Rajasthan zu sehen sein wird. Bikaner war erst die 2. Station meiner geplanten Tour durch das Wüstenland. Dafür gibts interessante Kontraste zwischen alt und neu, Bilder von archaischen Kulturen weit weg von den Supermärkten der großen Städte, ich nehme Euch mit zu den Hochburgen der verschiedenen Religionen, bin mit Euch in Ladakh unterwegs, hab meine schönsten Portraits rausgesucht und zeige Euch die große Kumbha Mela 2013 in Allahabad mit ihren 100 Millionen Pilgern von innen. Und noch bissl mehr. Ich bin total happy mit dem, was aus meiner Idee geworden ist.
Die Premiere von INDIEN zwischen den Welten ist die Auftakt-Veranstaltung der Diamir-Globetrotter-Tage 2014. Einen besseren Rahmen dafür kann es kaum geben, es geht das ganze darauf folgende Wochenende nonstop weiter durch die ganze Welt. Karten gibt es an allen bekannten VVK-Stellen in Dresden. Ihr könnt auch gerne Karten zum VVK-Preis online über mich direkt bestellen, schickt mir einfach eine diesbezügliche Mail, ich schicke Euch die Überweisungsmodalitäten und nach Geldeingang die Karten zum Selbstausdruck. Der Kartenpreis beträgt 10,- an der Abendkasse und 8,- im VVK.
Es gibt natürlich auch noch ein paar mehr Veranstaltungen, alle Termine für den Winter 2014/15 findet Ihr hier. Ein paar neue Fotos haben es mittlerweile auch auf meine Seite geschafft, hier sind sie.
Wie so oft, alles Schlimme hat meist auch was Positives im Schlepptau, die ganze Gruselgeschichte in Bikaner hat Agnes und mich wieder mehr zusammenrücken lassen. Ich bin ihr unendlich dankbar für Ihre selbstlose Hilfe in dieser Zeit. Noch viel dankbarer bin ich, dass unsere kleine Moti nicht im Kindergarten erzählen muß, dass sie jetzt keinen Papa mehr hat. Das alles hat ein paar weitere Gedanken angeschubst und ist der Grund dafür, dass die ganz herzlichen Grüße an Euch diesmal aus Würzburg kommen und nicht wie sonst aus meinem geliebten Dresden.
Bis irgendwann mal wieder! Frank Bienewald



DRESDEN, Ende Dezember 2013

Liebe Leute,
das Jahr geht zu Ende und ich möchte noch mal kurz was von mir hören lassen. Es war ja etwas still meinerseits in den letzten Monaten, was aber nicht bedeutet, dass nichts los war. Das Leben war etwas holprig, dennoch gab es einige sehr schöne Momente. Ein Highlight für mich war der Besuch der Kumbha Mela in Allahabad im vergangenem Februar. Es ist einfach immer wieder kuschelig inmitten von Millionen religiös verzückter Inder und ich war, trotz chronischem Husten und Grippe, restlos glücklich über meine Fotoausbeute. Hier sind ein paar davon.
Das Frühjahr dann war der am wenigsten erfreuliche Teil des Jahres. Agnes ist mit unserer kleinen Moti zurück ins Paradies Würzburg gezogen, mein Leben geht in Dresden weiter. Eine neue Konstellation, die sich seltsam anfühlt und erst mal bissl Eingewöhnung braucht.
Auch stand die nächste Indien-Tour schon wieder an, eine Fotoreise nach Ladakh, die ich gemeinsam mit Diamir Erlebnisreisen gestalten und vor Ort auch leiten durfte. Ich war mit 7 sehr foto-, kultur- und reisebegeisterten Gästen über 2 Wochen in dem alten Königreich im Himalaya unterwegs. Wir hatten viele Gelegenheiten, großartige Fotos zu machen und ich glaube, jeder wäre gerne noch ein paar Tage länger geblieben. Ich hab die Gelegenheit genutzt und war vor der Tour 2 Wochen in Spiti und nach der Tour noch 2 Wochen in Kaschmir unterwegs. Beide Gegenden sind traumhaft schön und fotogen, hier sind ein paar Fotos von der gesamten Himalaya-Reise. Spiti ist etwas beschwerlich zu erreichen, tagelange Busfahrten auf schlechtesten Strassen führen einen in das abgelegene Hochtal südlich der tibetischen Grenze. Als ich oben war, war das Tal einige Tage nicht zugänglich, ein Erdrutsch hatte die Strasse und auch die Stromzufuhr zerstört. Nach über einer Woche gab’s dann zum ersten Mal wieder Internetzugang, für mich mit der Nachricht, dass in der Zwischenzeit ein Großteil meines in einem Keller eingelagerten Hausrates incl. 1 qm Vortragsplakate dem Elbehochwasser im Juni zum Opfer gefallen war. Was das Leben für den Moment auch nicht weniger holprig gemacht hat. Die mir für den Zeitpunkt nach meiner Rückkehr zugesagte Wohnung war dann auch plötzlich schon anderweitig vermietet, die Holperei hörte nicht auf. Vielen Dank an der Stelle nochmals an die Freunde, die mir sehr geholfen habe. Mit Möbel retten, mit Asyl gewähren oder auch einfach nur mit nem offenen Ohr für meine Jammerei.
Da irgendwie eh alles grad so bissl den Bach runter zu gehen schien und ich den Herbst nicht damit verbringen wollte, nicht mehr vorhandene Möbel in einer noch nicht vorhandenen Wohnung hin und her zu schieben, hab ich kurz entschlossen für die Zeit bis Weihnachten einen Flug nach Mumbai gebucht. In den ganzen Wirren hatte ich zumindest EINE zündende Idee, ich wollte einen neuen Indien-Vortrag machen. Seit längerem hatte ich zwar schon immer wieder mal daran gedacht, hab mich aber nie so wirklich drangesetzt. Aber jetzt schien die Zeit reif, aus verschiedenen Versionen kristallisierte sich eine für das Thema heraus und voller Tatendrang bin ich Ende Oktober in den Flieger gesprungen, um meine Ideen umzusetzen. Ich war auf der Suche nach dem modernen, westlichen Indien, welches es ja schon lange gibt, von mir aber stets beharrlich ignoriert wurde. Für mich war immer das Alte, Traditionelle viel spannender, das Westliche hatte ich ja in seiner europäischen Version schon zuhause ständig um die Ohren. Aber bei meinen Überlegungen zum Roten Faden des neuen Vortrages wurde mir bewusst, dass ich letztendlich auch kein halbwegs realistisches Bild von Indien (sofern das überhaupt möglich ist…) zeigen kann, wenn ich diese Entwicklungen immer wieder unters Sofa kehre. Ich war überrascht, wie vielseitig auch dieser Aspekt Indiens ist und hab ne Menge interessanter Fotos machen können. Die jetzt aber erst mal wieder ausgewertet, sortiert usw. werden müssen.
In meinem, seit 2009 digitalen, Archiv gibt es mittlerweile viele neue Themen wie z.B. die Kumbha Mela in Allahabad mit ihren geschätzten 80-100 Millionen Pilgern und archaischen Szenen aus dem Leben der Sadhus, Begegnungen mit den Yatris in Pilgerzentren wie Varanasi, Rameshwaram, Palitana oder Shravanabelagola, die Völkerstämme aus einer ganz anderen Welt im Nordosten Indiens, die pulsierenden Metropolen Mumbai und Kolkata ihren vielen Facetten, atemberaubende Landschaften und wiederum ganz andere Kulturen in Ladakh und Kaschmir, die riesigen Tempelanlagen in Südindien, das märchenhaft schöne Taj Mahal in Agra und vieles, vieles mehr. Eigentlich Stoff für 2 neue Vorträge, aber ich werde das Beste und Interessanteste heraussuchen, freue mich schon aufs Programmieren. Und dann, Inschaallah, gibt es am 03.10.2014, als Eröffnungs-Special der Diamir-Globetrottertage in Dresden, die Premiere von “INDIEN – zwischen den Welten”. Ich würde mich sehr freuen, wenn wir das zusammen feiern würden!
Aber bis dahin ist noch bissl was zu tun. Nach den kommenden Vortragsabenden im Januar (Termine sind hier) und einem Stand bei der von Grenzgang organisierten Long Distance Bikers Convention auf der Reisemesse in Hamburg steht die nächste Fotoreise an, eine opulente Tour zu den Highlights Rajasthans, die ich auch gemeinsam mit Diamir Erlebnisreisen gestaltet habe und führen werde. Das Konzept Fotoreisen hat ziemlich eingeschlagen, Menschen mit Fernweh und Anspruch an Fotografie finden optimale Bedingungen für eine gelungene Reise. Wenn die anderen noch schlafen, sind wir bereits an den schönsten Plätzen und nutzen das gute Licht, das Frühstück kommt danach auch noch zurecht. Ich kenne die fotografisch interessanten Orte in Rajasthan schon ganz gut und freue mich drauf, mit begeisterten Mitstreitern schöne Motive auf die Speicherkarten oder Filme zu bannen. Wer sich davon inspiriert fühlt, hier gibt es die Details zur Tour und auch zu weiteren Themen.
Soweit erstmal. Für “Schöne Weihnachten” ist es ja mittlerweile fast schon bissl spät, das kann ich Euch nur noch nachtäglich wünschen. Aber für die Wünsche zu einem guten, ereignis- und erfolgreichen, interessanten und glücklichen neuen Jahr für uns alle ist es doch genau der richtige Zeitpunkt, oder?
Herzliche Grüße aus Dresden, Frank Bienewald



INDIEN, Ende Februar 2013

Liebe Leute,
kurz vor meinem Rueckflug schnell noch ein paar Gruesse aus Delhi. Mitte Januar hat sich fuer mich ueberraschend ein kleines Zeitfensterchen aufgetan und als es dann von Arbeitgeber und zuhause noch gruenes Licht dazu gab, bin ich kurzentschlossen zur Kumbha Mela in Allahabad nach Indien geflogen. Seit meinem ersten Besuch dieses wohl groessten Festes der Welt 1992 in Ujjain, der mich damals voellig aus dem Gleichgewicht gebracht hat, uebt die Kumbha Mela eine magische Anziehungskraft auf mich aus. In Ujjain haben mich die nackten, mit Asche beschmierten Maenner, die aus fuer mich nicht mal ansatzweise nachvollziehbaren Gruenden in der gluehenden Mittagshitze von 50 Grad Celsius im Schatten stundenlang regungslos zwischen qualmenden Feuern in der Sonne sassen, jahrelang ein Arm nach oben hielten oder ebenso lange ihr Leben nur stehend verbrachten, buendelweise Ziegelsteine mit dem Penis hochhoben und anderes wildes Zeug praktizierten voellig irritiert. Ich wusste nicht mehr, wo oben und unten war. Hinzu kamen 12 Millionen Pilger, eine unglaubliche Masse an Menschen, ich bin nach wenigen Tagen total entnervt gefluechtet.
Spaeter dann, zurueck zuhause, hab ich angefangen, mich mit dieser Kultur zu beschaeftigen, las eine Menge und fuhr 1998 nochmals zur Kumbha Mela, diesmal nach Haridwar am Fusse des Himalaya. Ich konnte viel mehr mit den Heiligen Maennern anfangen, lernte eine Menge und hatte eine hoechst interessante Zeit. Die naechste Kumbha Mela war 2001 in Allahabad, fuer mich dann fast schon ne Pflichtveranstaltung. Die Planeten standen so guenstig wie vor 144 Jahren zum letzten Male, 60 Millionen Menschen aus ganz Indien pilgerten zum Sangam, dem Zusammenfluss von Ganges, Yamuna und dem imaginaeren Saraswati, um beim Bad in den heiligen Wassern vielleicht ein paar Suenden von ihrem Karma waschen zu koennen.
Und jetzt, nach 12 Jahren Abstinenz, freute ich mich riesig, wenn auch nur fuer ein paar Tage dabei sein zu koennen. Nur mit Schlafsack, Isomatte und Zahnbuerste, aber mit 8 kg Fotoausruestung zog ich los, wollte versuchen, bei einem der mir bekannten Sadhus vielleicht mit im Zelt schlafen zu koennen. Shiv Raj Giri, ein Naga aus den Juna Akhara, den ich schon seit Jahren kenne und dort suchte, war aber offenbar wegen Frauengeschichten aus dem Akhara geworfen worden, niemand wusste, wo er sein Zelt aufgeschlagen hatte. Auf meiner Suche nach ihm entstanden aber sofort wieder neue Kontakte, Dharampuri Baba, ein Naga Sadhu aus dem Avan Akhara, brachte mich zu einem Zelt, in dem schon viele der heimatlosen, meist aelteren Sadhus herumlagen und sich die Lunge aus dem Hals hustend Tag und Nacht einen Shilom nach dem anderen rauchten. Alles andere als gemuetlich, aber ich war froh, erstmal eine Bleibe zu haben. Ein paar Tage spaeter bin ich noch mal umgezogen, in ein kleineres und weniger verrauchtes Zelt eines anderen Swamis.
Ich wollte so viel wie moeglich fotografieren, Motive gab es ohne Ende. Wegen des konstant unglaublich hohen Laermpegels war an Schlaf eh kaum zu denken, ich war jeden Tag schon vor Sonnenaufgang unterwegs und bin abends kaum vor 22:00 Uhr, ziemlich platt, wieder in meinen Schlafsack gekrochen. Anfangs war es noch einigermassen uebersichtlich, aber kurz vor dem 10. Februar, dem Hauptbadetag, fuellte sich das Mela-Gelaende, welches die Groesse einer groesseren Kleinstadt in Deutschland hat, brachial schnell mit ca. 30-35 Millionen Pilgern. Alle draengten sich am Sangam, eine unueberschaubare Menge. Fotografieren dort war fast unmoeglich. Zum Einen waren es einfach viel zu viele Menschen ganz dicht zusammen, um einzelne Motive herauszupicken und zum Anderen gab es seitens der Organisation die Anweisung, dass Fotografen nicht naeher als 100 Meter an das Ufer heran durften. Bissl doof, aus hundert Metern Entfernung hat man ca. 300 Reihen Koepfe vor sich, da ist nicht ein Tropfen Wasser zu sehen! Dennoch wurde diese Anweisung von unzaehligen Polizisten und Soldaten, mit Knueppeln und jeder Menge Entschlusskraft ausgeruestet, rigoros durchgesetzt. Einige Pressefotografen, die sich darueber hinwegsetzten, wurden vorruebergehend arrestiert und bekamen ihre Kameras konfisziert. Es war einigermassen angespannt. Zum Glueck entspannte sich die Situation nach dem 10.2. wieder etwas, die meisten Presseleute waren wieder abgereist und die Polizisten muede. So bin ich dann doch noch zu ein paar schoenen Badefotos gekommen. Am Morgen des 9.2., als das ganze Gelaende am Zusammenfluss schoen brechend voll war und ich aber unbedingt Fotos von dieser Menge mit dem Sonnenaufgang machen wollte, habe ich mich, nachdem ich schon ein paar Mal weggejagt worden war, zum Team eines japanischen Grossformatfotografen gestellt, der als einziger an diesem Morgen die Sonder-Sonder-Erlaubnis hatte, dort Fotos zu machen. Ich hatte schnell meine Jacke angezogen, um anders auszusehen als kurz zuvor und bin so zu einigen ungewohnlich schoenen Fotos gekommen. Was dann nicht mehr so schwierig war, der Japaner hatte sich eh den allerbesten Platz fuer seine Fotos gesucht.
Am Nachmittag des 10.2., nach dem Bad am Sangam, walzte die riesige Menschemasse wieder zurueck nach Allahabad, 30 Mio. Menschen draengten zum Bahnhof um moeglichst schnell wieder wegzufahren. 36 Pilger wurden an diesem Abend dort erdrueckt und ertrampelt, es muss ein unbeschreibliches Chaos gewesen sein. Zuege hatten ueber 20 Stunden Verspaetung, es ist natuerlich unmoeglich, 30 Millionen Menschen in so kurzer Zeit wieder wegzutransportieren.
Mit den Sadhus gab es fuer mich wieder interessante Begegnungen, ueber den Kontakt zu Dharampuri Baba hatte ich einen recht guten Zugang zu den anderen Sadhus des Avan Akhara, konnte sogar bleiben, als die neu aufgenommenen Sadhus nachts singend und chantend an Feuern sassen und alle Presseleute gehen mussten. Fuer mich war es grossartig, bei den Initiationsritualen dabei sein zu koennen, alles ist immer noch (fast) so mystisch und archaisch wie schon seit Tausenden von Jahren. Es gibt einen festgelegten Ablauf dieses Rituales. Die Neuen, die sich spaetestens jetzt endgueltig darueber im Klaren darueber sein sollten, was sie da gerade tun, werden einem Guru zugeteilt und bekommen alle Koeperhaare abrasiert. Sie absolvieren die Todesrituale fuer Mutter, Vater und dann fuer sich selbst, um wirklich alle Bruecken zum vergangenem Leben hinter sich abzubrechen, bekommen nach einem ersten Bad im Ganges das erste Mahl in ihrem neuen Leben und sitzen danach fast die ganze Nacht chantend am Feuer.
Trotzdem alles hoechst interessant war, fuer mich war es sehr, sehr anstrengend. Ich hatte vom ersten Tage an einen permanenten Reizhusten weges des aufgewirbelten Staubes und des Rauches von Millionen Feuerstellen und oft auch einen brummenden Kopf von dem staendigen hohen Laermpegel. Nach den 11 Tagen auf der Kumbha Mela fuehlt sich Delhi gerade an wie ein Luftkurort fuer Patienten mit Erkrankungen der Atemwege. Ich bin schon am Abend vor dem Abschlussbad am 15.2. aus Allahabad weggefahren, nach den Ereignissen auf dem Bahnhof am 10.Februar hatte ich ein wenig Bedenken, meinen Rueckflug vieleicht nicht zu erreichen.
Wenn Ihr Euch ein paar Fotos anschauen wollt, hier sind welche. Ich hab ziemlich wahllos mal ein paar rausgepickt, bin selber sehr gespannt, alle mal zuhause auf dem Bildschirm zu betrachten.
Fuer die Dresdner unter Euch, (fuer alle anderen, dann eben mit laengerer Anreise, natuerlich auch), am 8.Maerz, um 20:00 Uhr zeigen wir SHAADI im Club Passage in Dresden Gorbitz. Maenners, das ist doch die Geschenkidee zum Frauentag, oder? Ich freue mich sehr auf diesen Abend, vielleicht sehen wir uns?
Bis dahin, ganz herzliche Gruesse aus Bad Delhi, Frank Bienewald



Nepal, Ende Dezember 2012

Liebe Leute,
ein schoenes Weihnachtsfest kann ich Euch leider nur noch nachtraeglich wuenschen, ich hoffe, Ihr hattet alle ein paar schoene und friedliche Tage im Kreise Eurer Lieben. Ich verbringe gerade die letzten Tage eines 2-monatigen Nepal-Aufenthaltes in Kathmandu. Wir, Agnes, Moti und ich waren anfangs gemeinsam hier. Nachdem Moti gegen Ende des Sommers anfing, ihre ersten Schritte erfolgreich zu meistern, haben wir kurzerhand beschlossen, gleich mal mit ihr ein wenig wandern zu gehen. Kann man ja nicht frueh genug anfangen damit. Die ersten Tage in KTM waren etwas stressig fuer die kleine Maus, sie hatte kurz zuvor begonnen, jedem, der ihr auf der Strasse begegnete, zuzuwinken. In Deutschland hielt sich das ja noch relativ in Grenzen, hier aber hing Ihr nach kurzer Zeit kraftlos der kleine Arm herunter, es war einfach zuviel los in den Gassen.
Wir hatten vor, im Everestgebiet von Jiri in Richtung Namche Bazar zu laufen, wollten einfach mal probieren, wie das mit einem 15 Monate alten Kleinkind so geht. Agnes hatte Moti in einer Kindertrage auf dem Ruecken und ich den winzigen Rest im Rucksack. Alles, was so eine kleine Familie fuer 2-3 Wochen Wanderung im Himalaya so braucht. Den groessten Teil des Gepaecks machten meine Fotoausruestung und Motis Windeln aus. Die ja aber zum Glueck von Tag zu Tag weniger wurden. Da wir Moti nicht zwingen wollten, zu viele Stunden am Tag in dieser Trage sitzen zu muessen, haben wir oft mittags schon wieder Schluss mit wandern gemacht und sind geblieben. Was uns zwar nicht so richtig vorankommen liess, aber trotzdem schoen war. Moti war ueberall der Star mit ihren blonden Haaren und blauen Augen, wir hatten durch sie sehr, sehr viele wirklich schoene und herzliche Kontakte zu den Menschen in den Doerfern. Essen war auch kein Problem, sie hat einfach (meist zumindest) das mitgegessen, was wir gegessen haben. Hoffentlich behaelt sie das bei!
Der Treck von Jiri nach Namche Bazar ist sehr schoen, aber auch einigermassen anstrengend. Es geht entweder nur bergauf oder bergab, kaum mal ein ebenes Stueck Weg. Schlussendlich kamen 19.000 Hoehenmeter zusammen, ich war am Ende froh, diesen elenden Rucksack, der nie weniger als 25 kg wog, nicht mehr aufsetzen zu muessen. Wir haben Namche erreicht, konnten Moti den Everest zeigen (haette auch der Borsberg auf der anderen Seite der Elbe sein koennen, glaube ich) und sind dann gluecklich und zufrieden von Lukla nach KTM zurueckgeflogen. Alles lief bestens, wir waren vor allem sehr froh, dass Moti die ganze Zeit gesund geblieben ist. Fotografisch war die ganze Tour ausgesprochen lohnend, es ergaben sich sehr viele schoene Motive einfach daraus, dass wir Moti dabei und auch Zeit hatten, mit den Leuten rumzuhocken. Leider kann ich Euch aber jetzt noch keine davon zeigen, die sind schon zuhause in Dresden.
Nach ein paar weiteren Tagen hier in KTM mit Ausfluegen in die Umgebung sind die beiden Maedels dann Anfang Dezember wieder nach Hause geflogen, ich durfte noch 4 Wochen bleiben und mir mir einen alten Traum erfuellen. Ich hatte mir ein Mountainbike mitgebracht und wollte damit die Annapurna umrunden. Seit dort von beiden Seiten eine Strasse gebaut wird, kann man mittlerweile ca. 80 % der gesamten Wanderung schon mit dem Rad fahren. Ueber Sinn oder Unsinn laesst sich sicher streiten, ne Herausforderung, speziell im Winter, ist es allemal. Ich bin die Runde vor 20 Jahren schon mal gelaufen, wenn mir da jemand gesagt hatte, dass hier jemals eine Strasse von Besi Sahar durch das tiefe, felsige Tal bis nach Manang fuehren wuerde, haette ich mir sicher hinter vorgehaltener Hand an den Kopf gegriffen. Aber jetzt ist sie da, in den senkrechten Fels gesprengt und durch die steilen Haenge planiert. Sehr, sehr schlecht, da von den Jeeps voellig zerwuehlt, aber befahrbar. Fuer mich war das gleichzeitig auch der erste Ausflug mit einem Mountainbike, ich bin ja sonst nur auf der Strasse unterwegs. Anspruchsvoll! Ich hatte, obwohl ich mich sehr eingeschraenkt habe, trotzdem inklusive Rad 27 kg Gepaeck dabei, davon schon 9 kg Fotozeug und Kleinkram im Rucksack auf dem Ruecken. Bin ganz gut vorangekommen und war 5 Tage nach meiner Abfahrt aus KTM schon in Manang auf 3.600 m Hoehe. Dort wurde dann leider das Wetter schlecht, es wurde sehr kalt und fing an zu schneien. Meinen dort geplanten Akklimatisations-Ausflug zum Tilicho-Lake musste ich sein lassen, aufgrund des nicht aufhoerenden Schneefalls kamen selbst die Nepalis, die das letzte noch offene Gasthaus da oben auf 5.000 m bewirtschafteten, fluchtartig ins Tal zurueck. Sie befuerchteten, da oben eingeschneit zu werden.
Ohne viel Hoffnung, den Thorong La noch ueberqueren zu koennen, bin ich trotzdem noch bis zum Fuss des Passes weitergefahren bzw. mehr gegangen. Zum Einen wurde der Weg so schlecht und schmal und zum Anderen durch den Neuschnee auch nicht gerade einfacher. Ich musste das Rad die meiste Zeit tragen und hab mich nicht nur einmal ueber Sinn oder Unsinn meines Unternehmens gefragt. In Thorong Phedi, am Fuss des Passes auf 4.500 m, war eine der beiden Lodges war am Tag zuvor wegen explodierender Gasflaschen voellig niedergebrannt und qualmte noch vor sich hin. Es schneite den ganzen Tag ohne Unterlass, draussen waren -14 Grad, drinnen -7 und es war total ungemuetlich. Ich war ziemlich erschoepft von der Schlepperei der Rades durch den Schnee, meine Zuversicht sank auf den Tiefpunkt und ich war nahe dran, die Tour abzubrechen und zurueckzugehen. Zum Glueck waren ausser mir noch ein paar mehr Leute dort, die alle am naechsten Tag den Pass ueberqueren wollten. Zwei von ihnen boten mir an, ein wenig von meinem Gepaeck mit zu tragen, letztendlich blieben mir dann mit dem Fahrrad, welches ich mir auf den Rucksack geschnallt habe, noch ca. 18-19 kg. Das hat wieder etwas Mut gemacht. Nach einer wegen Kaelte und Hoehe fast schlaflosen Nacht sind wir alle am naechsten Morgen um 6:00 Uhr aufgebrochen und haben bei am Ende noch einigermassen ertraeglichen Bedingungen um um 9:30 Uhr den Pass erreicht. Einen Teil meines abgegebenen Gepaecks habe ich auf halbem Weg schon wieder an mich genommen, ich fuehlte mich viel, viel besser als am Tag zuvor. Und jetzt, mit Erreichen des Passes auf 5.400 m konnte ich meine Annapurna-Umrundung mit dem Rad ja zum Glueck auch zuende bringen. Leider waren die hydraulischen Bremsen eingefroren, aus der Abfahrt von der Passhoehe wurde nix. Es war etwas frustig, das Rad bergab schieben zu muessen, meiner Meinung nach hatte ich mir die Abfahrt von da oben schon verdient! Erst unterhalb 3.000 m wurde es frostfrei, dann funktionierten auch die Bremsen wieder. Aber klar, schliesslich war ja auch tiefster Winter. Die weitere Abfahrt durch das Kali Gandhaki Tal war alles andere als Erholung, die Strasse war meist extrem schlecht. Aber trotzdem, es ging wenigstens bergab.
An dieser Stelle ein grosses Dankeschoen an die Fahrrad-XXL-Emporon-Gruppe die mir fuer diese Tour ein Carver Pure 160 zur Verfuegung stellte. Ein super Bike, welches bis auf die eingefrorenen Bremsen fuer ein paar Tage nicht die geringsten Schwaechen zeigte. Ich war sehr froh, dass ich unterwegs ueberhaupt nichts zu schrauben hatte!
Auf halbem Wege nach Pokhara gabs heisse Quellen in Tatopani, darauf hatte ich mich schon seit Manang gefreut und bin gleich noch einen Tag laenger dort geblieben. Hab stundenlang in dem warmen Wasser gelegen, Bier getrunken und mich erstmal wieder richtig aufgewaermt.
Bis Pokhara war es dann nicht mehr weit. Meinen Plan, dort Weihnachten zu verbringen, hab ich geaendert, da es mir dort zu langweilig war. Auch wenn KTM sehr staubig, laut und abgasbelastet ist, ich finde es hier viel interessanter als in Pokhara, welches zwar ganz huebsch an einem See liegt, aber ausser Restaurants und Shops wenig bietet.
So war ich dann fast eine Woche frueher als geplant wieder in KTM zurueck, eigentlich haette es sogar reichen koennen, Weihnachten wieder zuhause sein zu koennen. Schade, es waere auch schoen gewesen, in Motis staunende Augen zu schauen, wenn die Kerzen am Weihnachtsbaum funkeln. Aber umso mehr freue ich mich jetzt auf den Rueckflug in ein paar Tagen!
Euch allen wuensche ich an dieser Stelle einen froehlichen und angenehmen Jahreswechsel und ein gutes neues Jahr mit vielen schoenen Erlebnissen und Erfolgen!
Wer Lust hat, mal wieder bei einem meiner Vortraege vorbeizuschauen, Mitte Januar gehts wieder los.
Bis dahin, ganz herzliche Gruesse aus dem nur wenig weihnachtlichen Kathmandu, Frank Bienewald



INDIEN, Ende Dezember 2010

liebe leute,
bevor ich mich morgen nacht wieder in die luefte erhebe, um weihnachten zuhause mit meinen beiden liebsten und unseren familien zu feiern, schnell noch ein paar gruesse aus dem wenig weihnachtlichen delhi.
ich war diesen herbst noch mal als reiseleiter einer diamir-reisegruppe bei den kopfjaegern im nordosten indiens und hab die gelegenheit, nun eh schon mal in indien zu sein, genutzt und noch 2 wochen foto-urlaub drangehangen. nach meinen reiseleiter-neulingserfahrungen im letzten jahr, aufgrund derer ich mir nach abreise der gruppe sicher war, dass das thema reiseleitungen, zumindest fuer dieses leben, vom tisch ist, hab ichs doch noch mal probiert und hab zu meiner grossen erleichterung festgestellt, dass es ja auch ganz anders laufen kann. die gruppe war super und trotz einiger notwendiger umplanungen vor ort kam nie schlechte oder noergelige stimmung auf. situationen wie kurzfristigst stornierte anschlussfluege, die mich letztes jahr an den rand eines nervenzusammenbruches gebracht hatten, loesten sich fast muehelos (zumindest fuer mich, nicht fuer die agentur in delhi) wieder auf und es konnte weitergehen. die gaeste waren total kooperativ und haben aus allem, was uns begegnete, etwas positives entnehmen koennen. wie zur belohnung hatten wir auch oft glueck, sehr viele unerwartete kleine, aber hochinteressante events am wegrand haben uns fuer umwege und unanehmlichkeiten voll entschaedigt. aber trotzdem war ich dann am ende auch froh, als ich feierabend hatte und mal wieder fuer mich alleine durch kolkata stolpern konnte. mal wieder stehenbleiben konnte, wo und wie lange ich wollte und nur noch fuer mich alleine verantwortlich war.
als alle wieder abgereist waren, bin ich mit dem nachtzug, der mit 9 stunden verspaetung fast zum doppelnachtzug wurde, von kolkata nach varanasi gefahren. aber es war trotzdem ne schoene fahrt, hab viel von bihar sehen koennen. es scheint die reis- und kornkammer indiens zu sein, felder bis zum horizont. ueberall wurde geerntet, natuerlich von hand, phantastische motive! ich hab mir sofort gewuenscht, mit dem fahrrad da entlang fahren und ueberall anhalten zu koennen. ich hab bihar bisher immer gemieden, es ist ziemlich kriminell. immer mal wieder werden busse und auch zuege von raeuberbanden angehalten und die passagiere ausgeraubt, in patna kann man nachts nicht mehr auf die strasse. viele jahre war lalu der mp, total korrupt und kriminell. er war schon zu seiner amtszeit ein paarmal im knast, mit seinen verbindungen natuerlich immer nicht all zu lange. aber was ich aus dem zug so vom land gesehen habe, hat lust darauf gemacht. spaeter mal..
danach war ich ein paar tage in varanasi, diesem uralten heiligtum am ganges. jeden morgen lag dicker nebel ueber dem fluss, alles grau in grau. an sich ne schoene stimmung, aber so richtig gut zum fotografieren war es doch nicht. ich hab mich ein wenig geaergert, dass ich nicht daran gedacht habe, ein paar fotos von babas mitzunehmen. shiv raj giri war da, ihr erinnert euch sicher an die wilden chabi-yoga-fotos mit dem trishul. auch shuk deva, der sadhu mit 4m langen haaren sass auf den stufen am ganges. sundar baba, mit dem ich vor jahren schon mal eine fotosession gemacht habe, hockt wieder da, sundar wie eh und je. hab ihn gleich noch mal beim schminken abgelichtet, auch er haette sich sicher sehr ueber die fotos von 2007 gefreut.
es hat sich einiges veraendert hier. das ganze main ghat liegt voller boote, die pilger kommen gar nicht mehr so richtig ins wasser. wahrscheinlich sind die bootsfahrten ein solch gutes geschaeft, dass sie sich so vermehrt haben. angebot und nachfrage. nicht nur fuer die pilger ist es etwas schade, auch fuer mich. wenn niemand mehr ans wasser kommt, ist natuerlich auch keiner mehr zum knipsen da. aber wenn man ein stueck aus der kernzone weglaeuft, an den etwas ausserhalb gelegenen ghats ist noch alles beim alten. am marnikanika-ghat, dem mystischen verbrennungsplatz hier in varanasi, kann man mittlerweile inoffizielle permits zum fotografieren kaufen, 7.500 rupies fuer 10 min. das geld wandert in die taschen der doms, der betreiber des verbrennungsplatzes, ohnehin schon die reichste familie varanasis. so was gabs noch nie, der platz ist so heilig und besonders, dass fotografieren bisher immer strikt verboten war. ich habs mal bissl ausgecheckt, war einige male dort und haette am ende fuer vielleicht 500 rupies ein paar sehr ungewoehnliche fotos machen koennen, hatte es aber nie ernsthaft vor. ein gutes beispiel, wie bakschisch langsam auch die moralischste moral untergraebt.
nach ein paar tagen in varanasi bin ich nach allahabad gefahren und hab zunaechst erst mal kein hotelzimmer bekommen. bin kreuz und quer durch die stadt gelaufen und war in vielleicht 12-15 lodges und hotels. alle waren full oder geschlossen wegen marriage party, obwohl sie fast leer aussahen. total seltsam. offenbar wollten sie keine auslaender, warum auch immer. hab dann meine suche abgebrochen und bin in die gurudwara gegangen, wo ich 2001 bei der kumbha mela schon mal uebernachtet hatte. amar singh, der babaji, mit dem ich damals viel spass hatte, hat sich an mich erinnert! allahabad ist dreckig, laut, mit unglaublich viel verkehr und abgasen. laedt nicht zum lange bleiben ein! hab kurz ueberlegt, ob ich vielleicht gleich wieder weiter fahre, so unfreundlich, wie der start dort war, bin dann aber am naechsten morgen doch um 4:45 uhr aufgestanden und zum 7 km ausserhalb liegenden sangam gefahren. deswegen bin ich ja eigentlich auch gekommen. und das hat den ganzen aerger vom vortag wieder weggewischt. in der nacht zuvor war vollmond und eine mondfinsternis! die ich natuerlich verpennt habe, ich wusste nix davon. am sangam, dem zusammenfluss von ganges, yamuna und dem imaginaeren saraswati waren sehr viele pilger, priester, barbiere, babas. es war total bunt und geschaeftig, viele sehr schoene motive, hab ueber 500 fotos gemacht an dem morgen. ich war am naechsten morgen noch mal dort, aber da war aber lange nicht mehr so viel los wie am tag zuvor. da hatte ich wohl ein riesenglueck und war zur rechten zeit am richtigen ort.
agra war mein naechster stopp auf dem weg nach delhi. wieder hat der wecker morgens um 5:00 uhr geklingelt, bin die 6 km zum ufer gegenueber des taj auf der anderen seite der yamuna gelaufen, um zu schauen, wie da morgens das licht ist. es war noch voellig dunkel, ich bin dann irgendwann, einer ahnung folgend, von der strasse abgebogen und durch ein kleines waeldchen in richtung yamuna gelaufen. als sich das gebuesch lichtete, erhebt sich da ploetzlich riesengross das taj mahal im daemmerlicht aus dem nebel ueber dem fluss! gigantisch! die riesigen sandbaenke waren menschleer und ich haette gern ein stativ gehabt. am waldrand standen in groesseren abstaenden so eine art vogelbeobachtunshaeuschen, ca. 3 m hoch auf stelzen, ganz stabil aus stahl und blech und mit kleinen fensterchen zum rausgucken. optimalst fuer mich, so war ich ueber dem bodennebel und konnte die kamera auf den fensterchen auflegen. hab nach und nach viele fotos gemacht, bis sich dann ploetzlich glutrot die sonne mitten zwischen den tuermchen des taj zeigte. unbeschreiblich! ich haette nicht erwartet, dass die sonne direkt ueber dem taj aufgeht, was fuer ein glueck! bin dann, nachdem die sonne etwas hoeher stand, runter von meinem hochsitz und ueber die leeren sandbaenke in richtung yamuna gelaufen. da hatte ich die sonne dann wieder schoen mittendrin, phantastisch! hinter mir schrie dann ploetzlich jemand, ich soll zurueckkommen, aber das war mir egal. bin weitergelaufen und hab immer wieder fotografiert. bis er mich dann erreicht hat, hatte ich alles im kasten. da hab ich erst gesehen, dass der typ uniformiert war. er war total veraergert! aus einer anderen richtung kamen noch 3 andere uniformierte angerannt. das erste, was mir einer der 3 entgegenbruellte, war: you go jail 6 months!!!. ploetzlich stand ich knietief in der sch., ohne wirklich zu wissen, warum. ich hab den voellig ueberraschten, unschuldigen und etwas duemmlichen touri gemimt. es stellte sich heraus, dass die ganze grosse sandbank zum militaerischen sperrgebiet erklaert worden war. damit machte auch die rolle stacheldraht am waldrand, die ich muehsam ueberklettert habe, sinn und vogelbeobachtungshaeuschen aus blech mit fensterchen wurden ploetzlich zu wachtuermen mit schiessscharten. so etwas haette ich nicht im geringsten vermutet! sie redeten die ganze zeit lautstark auf mich ein, immer wieder kam das you go jail 6 months!!!. mir wurde es etwas mulmig. ich sollte mit zum stuetzpunkt kommen. einer ging mit mir, die anderen blieben zurueck. da hab ich etwas gemacht, was ich noch nie getan habe, ich hab einen bestechungsversuch gestartet und ihm rs 300 fuer ein nachtraegliches fotopermit angeboten. er wollte 500. aha, dachte ich, geht ja und hab ihm von den 300 schon gegebenen 100 mit der begruendung, dass ich ja noch bissl geld fuer den rueckweg brauche, wieder weggenommen. es ging noch bissl hin und her mit einigen duemmlichen entschuldigungen und betretenem gesicht meinerseits, dann hat er die 200 eingesteckt und hat mich davongeschickt. schwein gehabt!! vielleicht waere es ja gar nicht ernst geworden, aber das weiss man hier einfach nie. ich war echt heilfroh, als ich wieder weg war, aber es hat sich fotomaessig total gelohnt! einige der aufnahmen sind phantastisch! aehnliches glueck hatte ich 2 tage spaeter, ich hatte mir schon am tag zuvor einen vielversprechenden platz fuer einen weiteren sonnenaufgang gesucht, hoch ueber der yamuna. als ich morgens auf dem weg dahin war, kam mir ein italienischer fotograf mit dem stativ auf der schulter entgegen und schimpfte scheisse, alles im nebel!. ich hab ihm zugestimmt, aber innerlich frohlockt super, alles im nebel!. mein platz lag hoeher als das ufer, von dem er kam, das hab ich ihm aber nicht erzaehlt. und dann, die szenerie von meinem standpunkt war einfach spektakulaer! dicker nebel lag ueber der yamuna und oben ragte fast unreal wirkend das taj mahal raus, sonnenbestrahlt unter blauem himmel. unglaublich schoen! zur gleichen zeit hat sich der arme italiener sicher schon den 2 frust-capuccino in dem fancy coffee-house neben dem taj bestellt.
und jetzt ist die kurze zeit schon wieder vorbei und in 2 tagen werde ich wieder zuhause sein. ich freu mich riesig auf unseren kleinen zwerg, der in der zwischenzeit bestimmt schon ein grosser zwerg geworden ist oder vielleicht schon gar kein zwerg mehr ist. bin gespannt, was moti so alles neu fuer sich entdeckt hat und was an faehigkeiten dazugekommen ist. sicher ist ne menge passiert in den letzten 5 wochen!
eigentlich wollte ich gar nicht so viel schreiben, sondern euch nur ein schoenes weihnachtsfest und ein gutes jahr 2012 wuenschen! wenn ihr ein paar der neuen fotos anschauen wollt, hier findet ihr sie. im januar gehts dann auch mit vortraegen wieder los, ich freu mich schon! vor allem auf den nachmittag im kino in pirna am sonntag, den 8.1. um 17:00 uhr. ich war ewig nicht mehr dort und war so ueberwaeltigt von dem schoenen saal, dass ich nicht umhin kam, gleich einen termin fuer indien paradies der farben festzumachen. karten gibts im vorverkauf im kino. weitere vortragstermine findet ihr hier.
bis bald mal wieder, herzliche gruesse aus der viele-millionen-metropole delhi, frank bienewald



NEPAL, Ende September 2009

Ich bin am 21.7.09 mitten in der Nacht in Delhi angekommen, hatte mein Fahrrad schon am Flughafen zusammengebaut und bin dann voller Vorfreude durch die noch dunkle Stadt geradelt. Ein superschönes Ankommen, Pfaue schrieen, die Rikscha-Fahrer lachten und winkten. Ich fühl mich immer von Anfang an wohl und vielleicht sogar ein bissl zuhause. Mir fallen dann auch gleich ein paar Vokabeln ein und alles ist easy and locker. Ich wollte, um nicht so viel Zeit auf Indiens Autobahnen zu vertrödeln, mit dem Zug nach Amritsar an der pakistanischen Grenze fahren. Auf dem Bahnhof hab ich gleich erst mal mein Immunsystem mit einem Liter Leitungswasser geschockt, bzw aufgeweckt. Den Zug hätte ich trotzdem fast fahren lassen müssen, da ich nur ein Ticket für mich, aber nicht fürs Rad hatte. Es hat sich aber in letzter Sekunde noch aufgelöst, der Zug fuhr schon langsam, als ich endlich rein konnte. Hab den Nachmittag im Goldenen Tempel verbracht, dem Hauptheiligtum der Sikhs und bin am nächsten Tag über die Grenze nach Pakistan geradelt. Es waren 42 Grad und gefühlte 130 % Luftfeuchte, mühsam zum Rad fahren. Keine Kontrolle, aber ne witzige Flüsterkonversation. All die üblichen Fragen nach Name, Herkunft, Ehestand, Kindern und, und, und. Flüster hin und flüster her, auf die Frage, was ich denn in Pakistan vorhabe habe ich zurückgeflüstert “to meet my taliban friends”. Abbruch des Flüsterspiels und sehr irritierter Gesichtsausdruck des Beamten. Hab mich schon auf ne längere Prozedur eingestellt, es blieb aber alles im Rahmen.
Ich hatte mich an der Grenze nach der aktuellen innenpolitischen Situation erkundigt, nach den heftigen Gefechten der pakistanischen Armee mit den Taliban wenige Wochen zuvor schien alles ruhig und relativ gefahrlos zu sein. Gleiches haben mir auch alte Bekannte der lokalen Presse in Lahore bestätigt, ihnen hat mein Plan so gefallen, daß sie gleich ein Interview mit mir veranstaltet haben. 2 Tage später war ein netter kleiner Artikel in der Zeitung.
Die 350 km von Lahore nach Islamabad auf dem viel befahrenen National Highway hab ich mir auch erspart und bin stattdessen in den Nachtzug gesprungen. Ab Islamabad war ich dann aber mit dem Rad unterwegs. Die nächsten 650 km und 8500 Höhenmeter bis nach Gilgit waren ziemlich mühsam. Viel Verkehr am Anfang, armdicke Rußfahnen aus Bussen und Lkws, z.t. extrem schlechte Strassen, unglaublich heiß mit bis zu 49 Grad im Schatten und einer Schottergebirgslandschaft, die auf den ersten 500 km auch nicht allzuviel hergab. Das Wasser aus den Trinkflaschen war teilweise so heiß, dass ich es vorm trinken erst ne Weile im Mund lassen mußte und auch die Bremsgriffe konnte ich kaum anfassen. Ich hab noch nie so ne unglaubliche Hitze erlebt. Zwischen Islamabad und Gilgit hatte ich ganz oft Polizeieskorte, die manchmal bissl nervig war, sich aber im Nachhinein als alles andere als unberechtigt herausgestellt hat.
Nördlich von Gilgit wurde dann zwar das Klima angenehmer, dafür aber die Strassen schlechter. Einige kleine Dörfer entlang der Straße, meist inmitten wundervoll duftender Wäldchen, freundliche Hunza-Leute und traumhafte Rundblicke auf schneebedeckte Berge und in zerklüftete Täler. Nur die Radelei auf den meist extrem schlechten und staubigen Strassen schlaucht ganz schön. Die Chinesen bauen gerade den Karakorum-Highway aus, die Hälfte der Strecke ist Baustelle mit übler Schotterpiste. Entgegenkommende Autos rasen wie gestört vorbei, ich mußte sie ausbremsen, damit mir nicht faustgroße Steine um die Ohren flogen. Seit 2 Jahren ist es verboten, den Kunjarab-Pass zu Fuß oder mit dem Rad zu überqueren, ich musste die letzten 80 km in den Bus.
Die Ankunft in China schlug dann alles, was ich an Arroganz und Unfreundlichkeit bei Grenzübertritten bisher erlebt habe. Wortlos kamen die Militärs in den Bus, jeder bekam Fieber gemessen und danach mussten alle den Bus verlassen. Alles Gepäck wurde ausgeladen und Stück für Stück ausgepackt und angeschaut. Und alles ohne den leisesten erkennbaren Anflug von Freundlichkeit. Steinerne Gesichter und knappe Kommandos. Unglaublich! Ich war sehr versucht, nach Pakistan zurück zu fahren. Der erste Eindruck von den chinesischen Authoritäten machte wenig Mut für meinen Tibet-Plan. Aber es kamen noch ein paar andere kleine Probleme dazu. Ich kann die chinesischen Schriftzeichen natürlich nicht deuten und fast niemand spricht englisch. Eine Speisekarte sieht zwar aus wie ein kalligrafisches Kunstwerk, nutzt mir aber nix, wenn ich Hunger habe. Die einzige Möglichkeit ist, mit in die Küche zu gehen und darauf zu zeigen, was ich essen möchte. Falls ich überhaupt noch was essen möchte, nachdem ich die Küche gesehen habe… Geld wechseln war das nächste der kleinen Probleme. Es gab einen Geldwechsler mit einem miesen Kurs, eine Bank, die erst in 2 Tagen wieder aufmachte und einen Geldautomaten. Also Karte rein und erschrecken. Sah wieder hübsch aus, aber ich hatte keinen Schimmer, wo ich hätte draufdrücken sollen, damit da Geld rauskam. Hab dann inständig gehofft, daß “Abbruch” global unten rechts ist. Zum Glück hat es geklappt und ich bin zu dem schmierigen Geldwechsler gefahren.
Die restlichen 300 km bis Kashgar sollten eigentlich nur bergab gehen, stattdessen gings über 70 km stetig von 2.800 auf 3.900 m berghoch. In einem wunderschönen, kargen Hochland, immer zu Füßen des Muztag Ata. Ich war noch nicht richtig an die Höhe angepasst, hatte ziemlich damit zu tun, der Versuchung zu widerstehen, in einen der Pickups einzusteigen, die ab und zu mal anhielten und fragten, ob ich mit will. Zur Belohnung gabs dann ne mickrige 10 km lange Abfahrt. Der Tadschike, der eine Stunde später vor seiner Jurte stand und mir Übernachtung anbot, kam gerade recht. Obwohl es erst 15:00 Uhr war. Am nächsten Tag liefs dann etwas besser, die ersten 70 km ging es wirklich bergab.
Kashgar war ein ziemlicher Kontrast zu der Landschaft in den Tagen zuvor. Da war nix mehr zu spüren von Seidenstrassen-Feeling, alles ist fest in chinesischer Hand. Es ist jetzt eine chinesische Disneyland-Stadt mit Betonhochhäusern, riesigen Werbetafeln und Supermärkten ohne Ende. In der Mitte noch ein paar rudimentäre Reste der alten Wüstenstadt aus Lehm. Der Großteil der alten Stadt wurde von den Chinesen in den letzten Jahren schon planiert und die bestehenden Pläne, die restliche Altstadt vollends niederzureißen, werden nach den Unruhen im Juli 2009 sicher im Lauf des nächsten Jahres umgesetzt werden. Damit wäre dann auch der letzte Rest uigurischer Kultur hier zerstört. Die Uiguren werden umgesiedelt und somit wird der Widerstand gegen die Chinesen sehr, sehr erschwert. Ich fühlte mich dort alles andere als wohl, im Gegenteil, es fühlte sich an, als hätte mir jemand den Stöpsel gezogen und die Luft abgelassen. Die Stadt ist durch Militärs völlig überwacht. Vor der großen Moschee, dem Zentrum des Bösen für die Chinesen, ist ein regelrechtes Army-Camp errichtet worden, mit Wachablösung und einer Bewaffnung, die schon bissl unruhig macht. An jeder Kreuzung und vor jedem öffentlichen Gebäude stehen Gruppen von 10 bis 15 schwer bewaffneten Chinesen, mehrere Konvois von 3 Lkw, die Ladeflächen voller Soldaten, patrouillieren permanent durch die Stadt, Lautsprecherfahrzeuge grölen chinesische Parolen. Es erinnert mich alles etwas an die DDR und an Orwells “1984”. Telefon ins Ausland und Internet sind bis voraussichtlich Oktober stillgelegt, außerhalb der Städte sind unzählige Militär- und Polizei-Kontrollen dazu gekommen.
Für mich bedeutete das, daß ich meine Tibet-Pläne begraben konnte. Es war unmöglich, in der derzeitigen Situation etwas auch nur andeutungsweise Illegales zu unternehmen. Ich hab mit Radfahrern gesprochen, die es versucht haben, sie sind noch nicht mal aus Kashgar rausgekommen. Offiziell wäre es möglich. Was aber bedeutet, ca 3.500 Euro für Permit, Jeep, Begleitoffizier und Führer zu bezahlen. Völlig indiskutabel für mich, den Chinesen so viel Geld hinzuwerfen, damit ließen sich viele sinnvollere Dinge anfangen. Zumal die Chinesen das Geld als Eintritt in eine Kultur verlangen, die sie in den letzten 50 Jahren nachhaltig zerstört haben.
In China wollte ich nicht bleiben und das Date mit meiner Freundin Ende September wollte ich natürlich auch nicht verpassen. Damit blieb nur der Weg zurück nach Pakistan und Indien. Das bedeutete aber auch zurück auf den staubigen KKH. Um nicht die gesamte Strecke wieder zurückfahren zu müssen, bin ich in Chillas nach Osten zum Babusar-Pass abgebogen. Die Straße führt über 42 km durch ein wunderschönes Tal, ziemlich steil von 1.100 m auf 4.200 m ansteigend. Mühsamer als die Steigung aber waren (dem Gefühl nach) Tausende nervende, Steine werfende und an den Packtaschen herumzerrende Kinder. In solchen Momenten frag ich mich manchmal, warum um alles in der Welt ich diesen Blödsinn mache und nicht stattdessen Eierschecke essend in Dresden an der Elbe sitze. Und oft fällt mir keine Antwort ein….. Für die letzten 15 km hab ich 4,5 Stunden gebraucht, die Strasse war oft zu steil oder zu schlecht. Meist beides. Ich musste sehr viel schieben. Auf der anderen Seite herunter war es noch schlimmer. 25 km Baustelle der übelsten Sorte, knietiefer loser Schotter, Schlammpassagen, Flußdurchfahrten, große Steine, ich wunderte mich, weshalb mir mein Fahrrad nicht um die Ohren flog.
Naran, der erste Ort nach dem Pass, war wegen des Nationalfeiertages voller reicher pakistanischer Touristen aus den großen Städten und die Zimmerpreise waren auf das 5-fache gestiegen. Da ich schon oft in Polizeistationen geschlafen hatte (meist nicht so komfortabel, dafür aber umsonst), hab ich mal wieder den etwas Verängstigten gemimt und durfte, weil auch da nichts anderes frei war, in der Knastzelle logieren. Auch mal eine Erfahrung, obwohl ich im Gegensatz zu den sonstigen Insassen mein eigenes Schloss verwenden konnte. Ich bin einen Tag in Naran geblieben, hab fast die ganze Zeit am Fluß gesessen und nichts anderes getan, als voller Genuß klare frische Luft geatmet. Ich hatte das Gefühl, als würde ich mittlerweile ein Kilo Staub in meiner Lunge mit mir herumtragen.
Weiter südlich wollte ich durch das pakistanische Kaschmir fahren, was der kürzeste und verkehrsärmere Weg nach Islamabad gewesen wäre, bin aber an der Grenze abgeprallt. Ohne spezielles Permit kommt man da nicht rein. Schade, ich hatte sogar die leise Hoffnung, vielleicht da oben direkt über die Grenze in den indischen Teil Kaschmirs fahren zu können, aber das hatte sich damit ja sofort zerschlagen. Das hätte mir einen Umweg von 900 km erspart, ich war ja nur noch 200 km von Srinagar entfernt. Die Beamten waren total nett, es gab Tee und Kekse, aber eben keine Passage. Den National Highway zwischen Islamabad und Lahore hab ich mir wieder erspart und bin mit dem Bus gefahren.
Ganz auffällig war, wie viele Pakistanis mich überall ansprachen und mich fragten, wie es mir hier gefalle und ob ich den Eindruck habe, daß alle Pakistanis Terroristen seien. Sie waren offensichtlich erleichtert, wenn sie meine Antworten hörten. Sie bekommen natürlich mit, daß in der gesamten westlichen Welt Stimmung gegen sie gemacht wird und finden das höchst unfair. Ich auch. Fast alle baten mich, dies doch bitte zuhause irgendwie richtig zu stellen. Aber das tue ich ja bei meinen Dia-Vorträgen schon seit Jahren. Ich habe ohnehin den Eindruck, dass die meisten Konflikte auf unserer Erde aus der aggressiven Macht- und Ölgier der USA und ihrer engsten Angehörigen entstehen und würde die Wurzeln des Terrorismus eher in Washington als in Islamabad suchen. Aber das ist meine ganz persönliche Meinung..
Ein nochmaliger Besuch bei meinen Pressefreunden brachte neben vielen Tassen Tee noch einen Artikel in der Zeitung mit sich, diesmal mit meinen Fotos. Ein total netter Kontakt.
Von Lahore aus bin ich zurück nach Indien gefahren. Ich brauchte einen Ausweichplan, um der verbleibenden Zeit bis Ende September einen Sinn zu geben. Das Tiefland Indiens kam wegen der Sommerhitze gar nicht in Frage, es blieb nur der indische Teil des Himalaya übrig. Und damit nur eine Straße über Kaschmir nach Ladakh und dann südlich über Spiti zurück ins indische Flachland. Die Strecke nach Srinagar war gut hügelig, aber landschaftlich sehr schön. Sehr grün, nicht mehr so heiß. Bissl viel Verkehr manchmal, aber auch das war schon schlimmer. Sehr unangenehm war ein 3 km langer Tunnel, durch den ich, zwischen Lkws eingeklemmt, mit 40 km/h ohne was zu sehen durchrasen mußte. Hab inständig gehofft, dass nichts auf der Strasse liegt! Auffällig viel Militär war auch in Kaschmir stationiert. Überall Patrouillen, oft kein größerer Abstand als Sichtweite. Ähnlich wie in Kashgar, nur dass man mit den Soldaten auch mal ein Späßchen machen konnte. Hier schwelt ja schon seit der Teilung Indiens ein Grenzkonflikt mit Pakistan, der immer mal wieder aufflackert, wenn in der Regierung irgend etwas anderes in die Hose ging, von dem man gerne ablenken will. Zum Glück war gerade Ramadan. Und da die Ramadan-Wochen schon immer so eine stillschweigend eingehaltene Waffenstillstandszeit waren, hoffte ich, wirds wohl auch diesmal friedlich bleiben. Mit leerem Magen kämpft sichs schlecht….
In Srinagar wurde es mal wieder Zeit für eine kleine Pause. Ich hab total gemütlich auf einem Hausboot gewohnt und nicht viel gemacht außer gut essen, auf der Veranda am Wasser rumlümmeln und lesen und mit der Shikara übern See paddeln. Auch mal schön nach der ständigen Fahrradfahrerei.
Gleich nach meiner Ankunft in Srinagar hab ich Rafik, den Bäcker, der vor längerer Zeit ein paar Jahre in Deutschland gearbeitet hat, besucht. Er hat sich zwar nicht daran erinnert, dass ich 2001 mal für 2 Wochen Stammgast in seiner Bäckerei war, hat mir aber trotzdem seine Lebensgeschichte der letzten Jahre erzählt. Leider hatte er vor 2 Jahren einen Unfall in einem Bus, seitdem ist sein linkes Bein halb gelähmt. Trotzdem strahlt er und sagt von sich, er sei glücklich mit allem, was ihn umgibt. Seine kleine Bäckerei, seine Freunde, Srinagar als seine Heimatstadt. Seine deutsche Frau lebt in Frankfurt, sie hat er 1993 das letzte Mal gesehen. Ich war natürlich Kaffee trinken bei ihm, er hatte Nuss- und Marmorkuchen gebacken. Es war erstaunlich, dass es wegen des Ramadans überhaupt etwas essen gab und noch erstaunlicher, wie viele das Fasten tagsüber nicht so besonders ernst nehmen und kauend und rauchend in Rafiks kleiner Stube saßen.
Die Fahrt von Srinagar hinüber nach Leh in Ladakh war superschön. Mit 3 großen und 2 kleinen Pässen, großartigen Ausblicken, aber auch ziemlich anstrengend. Hab mich am ersten Tag bissl übernommen, da ein Militär-Checkposten, wo ich übernachten wollte, einfach nicht mehr da war und ich noch 40 km weiter fahren mußte. Schon bis zum Checkposten wäre es ein sehr ausgefüllter Tag gewesen, und noch dazu hatte ich auch nix zu essen mehr. Das habe ich am nächsten Tag deutlich gemerkt, hatte Beine wie Blei. Aber am Tag danach gings dann wieder, dafür aber mußte ich über einen Pass mit 3.800 m, im Regen und auf Schlammpiste. Beim 2. Pass mit 4150 m wurde es zum Glück sonnig, traumhaft schön, mit einer rauschenden Abfahrt auf guter Straße bis hinunter ins Industal. Wenn ich mir überlege, daß ich auf pakistanischer Seite schon mal ganz nahe war….
Ich bin dann eine knappe Woche in Leh geblieben, hab viel Zeit mit lesen, fotografieren und Kuchen essen verbracht und hab einen Ausflug ohne Gepäck auf den Khardung La, den mit 5.600 m höchsten befahrbaren Pass der Welt gemacht. Mitte August, mit 15 cm Neuschnee in einer wunderschönen Winterlandschaft.
Die 500 km lange Fahrt von Leh über den Himalaya-Hauptkamm hinunter nach Manali war meist sehr schön, aber auch einigermaßen anstrengend. Am ersten Pass, dem Taglang La (5.360 m) war nach schönes Wetter, aber es waren nur noch 2 Grad. Danach ging es 45 km über eine 4.600 m hohe Hochebene, mit heftigem Gegenwind und vielen Sandstürmen. Es fühlte sich an wie sandgestrahlt werden. Die Nacht in Pang auf 4.400 m war die kälteste, im Zelt waren minus 5 Grad. Über 60 Grad kälter als auf dem Karakorum Highway…. Auf den nächsten beiden Pässen, dem Lachlung La (5.065 m) und dem Nakee La (4.915 m) fing es dann schon an zu schneien und ich hatte nur noch Gegenwind. Am Baralacha La (4.892 m) lag dann schon so viel Schnee, dass ich oft schieben musste. Aber im Vergleich zu dem, was mich am Rotang La noch erwartete, war das ja noch richtig spaßig.
Das Wetter wurde noch schlechter, Schneeregen, Sturm und Temperaturen knapp über 0 Grad. So ziemlich das ekligste, was man sich zum fahrradfahren vorstellen kann. In einer kalten zugigen Dhaba in Gramphu, am Fuß des Rotang La auf 3.200 m, hab ich mitbekommen, dass die Straße nach Spiti auf unbestimmte Zeit wegen Erdrutschen geschlossen ist. Hab vor mich hin gefroren, was gegessen und mir meine Alternativen vor Augen geführt. Diese beschränkten sich auf mich für nicht absehbare Zeit einschneien zu lassen oder, am besten mit dem Bus, noch schnell den Rotang La zu überqueren. Die sinnvollere Option schien der Bus zu sein. Der Regen war schon Stunden zuvor in Schnee übergegangen und als ich in den Bus einstieg, war ich schon leicht am Zweifeln, ob das überhaupt ne gute Idee ist. Aber es hätte auch die letzte Chance für ne Weile sein können, den Pass zu überqueren. Es wurde immer schlimmer mit dem Schnee, die Straße war schon total verschneit, der Bus schlitterte hin und her, manchmal brach die Strasse schon einen halben Meter neben den Rädern senkrecht für mehrere hundert Meter ab. Alle Entspannungsübungen verpufften im eisigen Wind. Es ging aber trotzdem relativ gut bis 5 km unterhalb des fast 4.000 m hohen Passes. Mittlerweile lagen 30 cm Schnee auf der Straße und viele Lkws und Busse steckten fest. Die Fahrt war auf 3.800 m zu Ende. Gegen 17 Uhr, es schneite wie wild und es war schon ziemlich duster. Alle stiegen aus und gingen zu Fuß entweder weiter in Richtung Pass oder wieder zurück ins Tal. Beides erschien mir als totaler Wahnsinn bei dem Wetter. Aber irgend etwas mußte ich ja tun, also hab ich auch versucht, noch den Pass zu überqueren. Nach 500 m Fahrrad durch den tiefen Schnee schieben hab ich aber wieder aufgegeben und in einem anderen Bus, dessen Passagiere auch schon zu Fuß unterwegs waren, gefragt, ob ich im Bus schlafen kann. Mit bissl Überredung ging das dann, aber nach einer Stunde hat sich der Fahrer entschieden, doch noch ins Tal zu gehen und wollte mich wieder loswerden. Hab ihn mit viel Mühe überreden können, daß ich bleiben darf. Ich war total durchnässt und mir war eisig kalt. Bin im Bus über eine Stunde auf der Stelle gerannt, um meine Sachen ein wenig trocken zu bekommen und hab mich dann in den Schlafsack verkrümelt. Es hat die ganze Nacht weitergeschneit, morgens lag dann ein halber Meter nasser Schnee und es regnete bei ziemlich heftigem eisigen Wind. Ich hatte zum Glück noch etwas Müsli und im Bus lag eine halbvolle Wasserflasche rum. Nach den ersten Metern Rad schieben bin ich fast verzweifelt. Es ging überhaupt nicht. Ich stand bis zu den Waden im eisig kalten Wasser unter der Schneeschicht und das Rad steckte wie festgeklebt im nassen Schnee. Hab dann die Radtaschen abgemacht und ein Stück nach vorn getragen. Dann wieder zurück und das Rad geholt, das ging halbwegs, war aber total erschöpfend. Alles naß, eiskalte Füße, für 100 m hab ich 10 min gebraucht. Aber es war die einzige Möglichkeit. Irgendwann war ich oben, zu meiner Überraschung war auf der anderen Seite einen Kilometer nach der Passhöhe ein Dhaba-Zelt. Nix wie rein, Tee trinken und am Feuer wärmen. Nach einer ganzen Weile kamen 2 Jeeps, die sich durch den Schnee gewühlt hatten und einer der Fahrer bot mir an, mich mit nach unten zu nehmen. Draußen peitschte der eiskalte Wind durch die Luft, hab nicht lange überlegen brauchen. Für die nächsten 15 km war die Strasse in einem verheerenden Zustand. Nicht mehr so viel Schnee wie auf der anderen Seite, aber Erd- und Schlammrutsche, Wasserfälle quer über die Straße, tiefe mit Wasser und großen Steinen gefüllte Spurrinnen. Und strömender Regen. Ich bin ja nicht gerade der glühende Verfechter des automobilen Straßenverkehrs, aber da war ich unendlich froh, in dem Jeep sitzen zu können.
Naja, und der Rest ist schnell erzählt. Ein paar Tage in Vashisht bei Manali, perfekt zum ausruhen mit heißen Quellen und German Bakery und die restlichen 600 km nach Delhi waren, abgesehen von wieder dramatisch zunehmenden Verkehr, Abgasen, Ruß, Lärm, Hitze und Staub, ein eher gemütlicher Ausklang…..
Nach Nepal bin ich letztendlich von Delhi geflogen. Ich hatte einfach die Nase voll von Radtouren auf Baustellen, die Lunge war voller Staub und ich hab mich nur noch darauf gefreut, ganz gemütlich zu zweit durch die wunderschöne Berglandschaft Nepals zu stolpern.
So bleibt der Mt. Kailash, das eigentliche Ziel dieses Radausfluges über 4.500 km und 50.000 Höhenmeter, immer noch in weiter Ferne. Natürlich war ich, als in Kashgar meine Pläne zerbröselten, erst einmal enttäuscht. Dies hat sich aber, nachdem ich mir bewußt gemacht habe, wie die Uiguren unter der chinesischen Willkür leiden und leben müssen, während ich einfach woanders hinfahre, ganz schnell wieder relativiert.
Gleiches betrifft die Situation in Tibet. Während die komplette westliche und ein Teil der östlichen Welt der Wirtschaftsmacht China vom Ende her in den Verdauungstrakt kriecht, scheint dort das Schicksal der Kultur, deren Philosophie ein wertvoller Beitrag zur Gestaltung einer friedlicheren Welt sein könnte, weitestgehend besiegelt.



KAMBODSCHA, Anfang Januar 2009

Ich werde nach den Vorträgen ganz oft von Zuschauern gefragt, wie ich zu dem schönen Nahaufnahmen und Portraits der Menschen Indiens komme. Diese Fotos waren meist problemlos möglich, da ich bei meinen längeren Aufenthalten in Indien immer genügend Zeit hatte, mit den Menschen in Kontakt zu kommen, die ich gerne fotografieren wollte. Da ich meist längere Zeit an den einzelnen Orten verbracht habe, war ich nicht darauf angewiesen, alles Interessante sofort zu fotografieren. Ich wusste gar nicht mehr, wie es sich anfühlt, wenn man an seinen (meist sehr limitierten) Jahresurlaub gebunden ist und trotzdem möglichst viel sehen, erleben und auch fotografieren will.
Bewusst geworden ist es mir wieder, als ich über den Jahreswechsel 2008/09 in Kambodscha unterwegs war. Ich hatte, im Gegensatz zu sonst, auch nur 3 Wochen zur Verfügung und mir wurde plötzlich klar, was die Zuschauer meinten, wenn sie sagten, sie trauen sich nicht, die Menschen zu fotografieren. Es war nicht so, dass ich mich nicht getraut hätte, ich hatte eher für mich das Gefühl, die Leute zu veralbern. Irgendein Interesse an ihnen vorzuspielen, schnell ein Foto machen und wieder zu verschwinden. Und dabei wäre es so einfach gewesen, die Khmer sind sehr offen und freundlich. Wenn meine Hemmungen nicht gewesen wären, wäre fotografieren sehr einfach gewesen. Ich denke, ich werde wohl noch einmal nach Kambodscha zurückkommen und mehr Zeit mitbringen. Dann wirds wieder gemütlicher und die Fotos von den Menschen werden auch wieder andere
Die zum Teil 1100 Jahre alten Tempelanlagen im Zentrum Kambodschas waren mein Hauptziel. Ich hatte halb verfallene Tempel vor meinem geistigen Auge, überwuchert von Urwaldbäumen mit riesigen Wurzeln und war etwas überrascht, wie touristisch erschlossen und vermarktet die ganze Anlage doch ist. Ich war einfach mal 50 Jahre zu spät dran. Beeindruckend genug ist es aber natürlich immer noch und wenn man sich von den zentralen Tempeln etwas in Richtung Peripherie bewegt, wirds auch schon etwas unaufgeräumter. Mit ein wenig suchen hab ich dann aber auch noch Tempel gefunden, die dem nahe kamen, wie ich mir die ganze Anlage vorgestellt hatte. Und es steht sicher noch ne Menge im leider oft verminten Wald. Zum fotografieren sind die Tempel aber immer noch ein Fest. Wunderschöne Steinbildhauerkunst, gigantische Statuen, vieles ist noch von den Wurzeln der Urwaldriesen umschlungen. Um die Anlage vor dem weiteren Verfall zu schützen, aber auch, um die Tempel dem Touristenansturm zugänglich zu machen, wurden viele der großen Bäume gefällt. Mit den gefällten Bäumen verschwand aber leider auch ein großes Stück der Mystik. Also auch zum fotografieren war ich ein paar Jahre zu spät da.
In 3 Wochen war es natürlich unmöglich, viel vom Land zu sehen und ich wollte auch nicht nur von Ort zu Ort hetzen. Ich hab noch etwas Zeit bei den schwimmenden Dörfern auf dem Tonle Sap verbracht. Die miteinander verbundenen Hausboote werden von fast ausschließlich Vietnamesen bewohnt, die ihren Lebensunterhalt mit Fischfang bestreiten. Und für die das Überleben wahrscheinlich viel schwieriger werden wird, wenn erst die geplanten Staustufen des Mekong errichtet sind und damit die Fischlaichgebiete des Tonle Sap zerstört werden. Aber daran denkt jetzt noch niemand, Strom ist im Moment wichtiger. Blöd wirds dann, wenn in ein paar Jahren alle ihre chinesische Mikrowelle haben, aber nix mehr zum drin kochen.
Kambodscha hatte ja auch alles andere als eine friedvolle jüngere Vergangenheit. Ich hatte zwar vorher schon von Pol Pot und den Roten Khmer gehört, aber was dort wirklich geschehen ist, war mir nicht so klar. Zwischen 1975 und 1979 haben die Khmer Rouge auf bestialische Art und Weise fast ein Drittel der damaligen 7 Millionen Bevölkerung vom Leben zum Tode verholfen, alles im Namen des Kommunismus und mit dem Ziel, einen reinen Agrarstaat zu schaffen. Die komplette Intelligenz des Landes wurde zuerst beseitigt, das Tragen einer Brille reichte als Grund zur sofortigen Exekution. Kinder wurden gezwungen, ihre eigenen Eltern zu foltern und zu töten. Ich will Euch das jetzt nicht alles so im Einzelnen darlegen, es ist alles ziemlich bedrückend.
Wenn man jetzt im Land unterwegs ist, scheint diese Zeit nicht mehr so präsent zu sein. Kambodscha hat eine auffällig junge Bevölkerung, die sehr mit dem Blick nach vorn lebt und nicht in Depressionen versinkt. Die Menschen sind unglaublich freundlich, trotz ihrer meist sehr schwierigen Lebensumstände. Der Großteil der Bevölkerung lebt von der Landwirtschaft, was aber in einer Gegend, die heute noch über große Flächen mit Landminen belegt ist, auch alles andere als idyllisches Landleben ist. Aber tief drin, für mich als 3-Wochen-Besucher nicht so richtig sichtbar, kann einfach noch nicht alles vergessen sein. Niemand der Khmer Rouge-Funktionäre wurde jemals ernsthaft für die begangenen Greueltaten zu Rechenschaft gezogen, Pol Pot durfte bis zu seinem Tod 1998 relativ unbehelligt im Dschungel Kambodschas leben. Die Khmer Rouge existieren nach wie vor als Organisation, wenn auch nur im Untergrund. Im Februar diesen Jahres, also schlappe 30 Jahre später, wurde nun der Erste der Khmer Rouge-Führungsriege von einem Tribunal der UNO angeklagt….
Das große Dilemma der kambodschanischen Bevölkerung wird wohl sein, dass sie unter ihren Reisfeldern kein amerikanisches Erdöl vergraben haben und somit auch für die Ritter der Achse des Bösen keine Veranlassung bestand, sich dort um die Einhaltung der Menscherechte zu bemühen.



DRESDEN, Ende Juli 2007

Liebe Leute,
jetzt bin ich seit 4 Wochen zurück in Deutschland und mir scheint es nicht länger als 4 Tage zu sein. Und Indien ist schon wieder so weit entfernt. Die Uhren hier ticken doch anders. Das Zurückkommen wird mit jedem Male einfacher, gleichzeitig aber scheint auch die Intensität der Erinnerungen schneller abzunehmen. Mir ging es bei der Ankunft in Mumbai ähnlich, als ich aus dem Flughafengebäude raus lief, war Deutschland plötzlich ganz weit weg. Ich hab mich etwas gewundert, aber im Grunde war es ein angenehmer Zustand. Vielleicht ein Schritt in die Richtung des Lebens im Jetzt, ohne sich mit Ballast abzuschleppen, den man ohnehin in dem Moment nicht verwerten kann. Die ganzen 6 Monate in Indien waren eine großartige Zeit, voll gestopft mit Erlebnissen und Eindrücken, aber es war auch immer genügend Gelegenheit, um diese Eindrücke und Erlebnisse setzen und wirken zu lassen. Ich hatte viel Glück diesmal, es haben sich interessante Kontakte ergeben und auch mein relativ planloses Unterwegssein war für viele Überraschungen gut. Die größte Überraschung waren meine 104 belichteten Filme, die zuhause aufs angeschaut werden gewartet hatten. Die große Freude über die vielen nicht ganz so völlig unbrauchbaren Fotos hatte aber auch einen kleinen negativen Beigeschmack, wenn weniger gelungen wäre, hätte ich auch weniger rahmen, sortieren und nummerieren müssen… Naja, so hab ich die letzte Zeit meist bis Hals in den Dias gesessen, aber so langsam wird wieder Licht.
Beim Anschauen sind mir auch viele kleine Begebenheiten wieder eingefallen, wie das absolut skurile Zusammentreffen mit 3 Hijras in Kurukshettra. Die Hijras sind Eunuchen, kastrierte Männer, die geschminkt und in Frauenkleidern durchs Land ziehen. Die Menschen haben Angst vor ihnen, es wird geglaubt, dass Flüche, die sie aussprechen, wahr werden. Sie tanzen oft auf Hochzeiten oder nach der Geburt von Kindern und verdienen damit ihren Lebensunterhalt. Wenn ihnen die Mitglieder ausgehen, wird auch schnell mal ein Junge geraubt, viele von ihnen sind unfreiwillig kastriert worden. Eine weitere Möglichkeit, Geld zu verdienen, ist Prostitution. Ich hab 3 von ihnen auf einer Wiese sitzen und sich mit einer Pinzette die Bartstoppeln rauszupfen sehen. Ich wollte fotografieren, sie aber wollten Sex. Wonach mir aber wiederum in dem Moment überhaupt nicht war. Wenn ich in diese runzeligen, stoppelbärtigen Gesichter mit Lidschatten und Lippenstift sah, fühlte ich mich eher wie in einer Gespensterbahn als auf der Suche nach einem Schäferstündchen. Nach einer Weile penetranten Fragens durfte ich dann aber doch ein paar Fotos von dieser kosmetischen Open-Air-Behandlung machen, aber ich wollte mehr sehen. Ich weiß, dass die Jungs ziemlich radikal kastriert werden, ohne Narkose und medizinische Nachsorge. Es wird mit einem unsterilen Messer alles abgeschnitten, viele überleben diese Operation nicht und sterben an Infektionen. Ich wollte einfach mal unter den Sari schauen. Nach weiterem penetranten Fragen für bestimmt eine halbe Stunde erklärte sich dann doch einer von ihnen dazu bereit, den Sari zu lüften, aber ich sollte mit auf die öffentliche Toilette kommen. Mir fallen keine Worte ein, mit denen ich auch nur andeutungsweise eine öffentliche Toilette in Indien beschreiben könnte. Und ich kenne auch keinen Platz auf dieser Welt, der weniger geeignet für eine Fotosession wäre als eben eine öffentliche Toilette in Indien. Die Neugier siegte, ich bin mit Ihnen mitgegangen, war aber bereit, jeden Moment davonzurennen. Schlußendlich stand dann einer der drei nur mit BH und unrasierten Beinen vor mir im Innenhof der Toilette, es war so abgefahren. Fotografieren aber war ohne Diskussionen davon abhängig, die von ihnen angebotenen Liebesdienste doch noch in Anspruch zu nehmen. Bitte habt Verständnis, dass es keine Bilder gibt.
Ne andere nette Geschichte spielte sich ab, als ich von Kedarnath nach Gangotri getrampt bin. Ein älteres Ehepaar hatte mich ein Stück mitgenommen, er wollte nach Uttarkashi zu einem Kongress. Er schlich mit 25 km/h über die Straßen und ich fing schon an zu bereuen, eingestiegen zu sein. Es waren noch 200 km bis Gangotri. Nach kurzer Zeit fragte er mich, ob ich Auto fahren könne und als ich bejahte, ob ich dieses Auto nach Uttarkashi fahren kann. Er sei völlig übermüdet und könne nicht mehr fahren. Ich sagte wieder ja, obwohl ich mir nicht mehr ganz so sicher war und wir tauschten die Sitze. Es ist ja nun doch einiges anders auf Indiens Straßen. Linksverkehr, extrem schlechte, oft nur handtuchbreite Straßen. Es wird generell mit eingeklappten Spiegeln gefahren, es ist einfach nicht genügend Platz. Ich war ziemlich optimistisch, hab aber am Anfang die Autobreite unter- und meine Fahrkünste auf Indiens Straßen überschätzt. Seine Frau auf dem Rücksitz kreischte einige Male hysterisch auf und als ich nach einiger Zeit darauf bestanden habe, dass er den Beifahrerspiegel doch mal ausklappt, merkte ich, dass dies auch durchaus berechtigt war. Ich bin wahrscheinlich nur mit Millimeterabstand an einem Wasserkanal, einem Felsbrocken und an einem entgegenkommenden LKW vorbeigeschrammt. Er war plötzlich wieder hellwach, das Adrenalin sprudelte fast aus seinen Ohren, war aber nicht fähig, auch nur ein Wort zu sagen. Nach einer Weile hatte ich es etwas besser im Griff, sein Adrenalin baute sich langsam ab, er pennte ein und fiel mit seinem Kopf immer gegen meine Schulter. Was wiederum die Fahrerei für mich nicht gerade einfacher machte. Es wurde besser, als er sich hinten hinlegte, seine Frau saß dann neben mir. Sehr verspannt, die Haare durcheinander und in den Augen noch die Schrecken der ersten Kilometer. Aber auch sie entspannte sich langsam, nach 50 km brachte sie sich dann sogar ihre Frisur wieder in Ordnung. Für mich war es sehr interessant, den Straßenverkehr mal aus der Sicht eines Fahrers zu erleben, es ist dramatisch. Dinge, die mir bis dahin immer völlig unsinnig erschienen, machte ich plötzlich selbst. Ich blieb auch bis zur letzten Sekunde auf der Mitte der Straße, um so wenig wie möglich über den Schotter holpern zu müssen und das Spiel fing sogar an, Spaß zu machen. Knietiefe Schlaglöcher und kopfgroße Steine, rücksichtslose Busfahrer, Kühe und spielende Kinder sorgen dafür, daß keine Langeweile aufkommt. Jeder hupt ständig, etwas, was mir nach nun insgesamt 3 Jahren in Indien trotzdem noch absolut auf die Nerven geht. Aber es geht einfach nicht ohne. Ortsdurchfahrten sind das reinste Chaos. Auch wenn die Straße schon hoffnungslos verstopft ist, sich nicht noch an der Seite vorbei zu schieben. Ohne Drängeln kommt man dort nie ans Ziel. Für mein immer noch westliches Denkstrickmuster nur schwer begreiflich, das Chaos funktioniert in sich und alles löst sich irgendwann wieder auf. Meist.
Und trotzdem, es gab einige Situationen, in denen ich einige der Regeln, die uns in Deutschland mit ihrer Perfektion ja oft vollständig der Entscheidungsfreiheit berauben, zumindest ansatzweise wieder zu schätzen lernte.



INDIEN, Ende Juni 2007

Liebe Leute,
Dehli fühlt sich an wie eine Sauna, aber ich bin ja nicht allzulange hier. Vor 1 Woche waren hier noch 49 Grad im Schatten, jetzt hats zum Glück geregnet und auf frische 39 Grad abgekühlt, dafür aber mit ner Luftfeuchtigkeit von 96 %. Lecker. Übermorgen Nacht fliege ich wieder nach Dresden zurück. Kaum zu glauben, dass die 6 Monate in Indien schon wieder vorüber sind. Wenn ich die ganzen Erlebnisse nochmal an meinem geistigen Auge vorbeiziehen lasse, kommt mir die Zeit viel länger vor. Es war einfach so viel. Und vieles muß noch bissl verdaut werden. Ich stelle immer wieder fest, daß ich, obwohl ich mich nun schon eine Weile mit diesem Land und seiner Kultur beschäftige, eigentlich nur sehr wenig weiß. Es kommen jedes Mal neue Aspekte dazu, die als durchschaut abgelegte Zusammenhänge wieder völlig durcheinander rühren. Was ja nicht weiter schlimm ist. So bleibt Indien interessant für mich und mit jedem Male hier sein entstehen neue Ideen für eine nächste Reise. (Ich versuche mir gerade das Gesicht meines Chefs vorzustellen, er bekommt meine mails ja auch..) Aber bis dahin wird sicher wieder eine Weile vergehen. Jetzt freu ich mich erstmal auf das schöne Dresden, auf einige Leute und ein Schwätzchen mit ihnen, auf Erdbeertorte mit Schlagsahne und einen richtigen Kaffee. Und viele Dinge mehr, die ich hier nicht habe und auch nicht vermisse, zuhause aber trotzdem genießen kann. Sehr gespannt bin ich auch auf die Fotos. Neben der immer noch besseren Qualität eines Dias, ein großer Vorteil des analog fotografierens ist die permanente Vorfreude auf den Tag, an dem man die Filme vom Entwickeln abholen kann. Was ja aber auch völlig in die Hose gehen kann, wenn man feststellt, daß alles hoffnungslos fehlbelichtet ist oder ein Sandkörnchen in der Kamera einen tiefen Krater durch jeden Film gezogen hat. Aber selbst dann, die lange Zeit der Vorfreude bleibt ja trotzdem. Mit einer analogen Kamera wird man inzwischen selbst hier, wo 95 % der Felder noch mit Holzpflug und Ochsengespann umgeackert werden, wo die Fahrräder aussehen wie aus einem Stück gefeilt und selbst Elektizität in einigen Gegenden noch ein Fremdwort ist, ganz schnell zum Exoten. Digital beherrscht die Fotowelt, mit meiner alten, 8 kg schweren Ausrüstung bin ich grußlos rückwirkend in die unterste Kaste der Fotografengesellschaft hineingeboren worden. Aber ich durfte mir trotzdem ab und zu mal von anderen Reisenden ne Digitale leihen, so kann ich Euch noch mal ein paar Fotos aus den letzten Wochen mit dranhängen.
Also, alles in allem hatte ich in dem letzten halben Jahr eine sehr schöne und interessante Zeit. Dinge, die ich geplant hatte, gingen total daneben, aber aus diesen Situationen entstanden immer wieder unerwartete, nicht weniger interessante Alternativen. Es gab wieder sehr viele Begegnungen mit den Menschen dieses Landes (was sich bei den ca. 1.300 Millionen Einwohnern aber auch gar nicht vermeiden läßt), aber auch immer mal wieder Gelegenheiten, sich etwas aus dem Chaos zurückzuziehen. Bei allen, zum Teil sehr seltsamen und traurigen Entwicklungen und Veränderungen, die hier gerade stattfinden, bleibt Indien trotzdem eine riesige, farbenfrohe Faszination für mich.
Das Schreiben war mal was Neues für mich, aber es hat mir mehr und mehr Spaß gemacht. Es war eine gute Möglichkeit, sich im Nachhinein nochmals mit Erlebtem zu beschäftigen. Ich hoffe, Ihr hattet genauso viel Freude beim Lesen wie ich beim Schreiben.



INDIEN, Mitte Juni 2007

Liebe Leute,
ich bin gerade an der letzten Station meiner Pilgerreise zu den Ganges- und Yamunaquellen im Garwhal-Himal. Jedes Jahr, Ende April, Anfang Mai, wenn die Tempel da oben wieder geöffnet werden, setzt sich eine wahre Flut von Pilgern in Bewegung, um im heiligen Wasser den Dreck vom letzten Jahr von der Seele zu waschen. Die gesamte Pilgertour heist Dschaar Dham und ist eine der wichtigsten in ganz Indien. Früher wurde mal alles gelaufen, heute führen Straßen zum Teil bis zum Tempel, die wiederum für diesen Ansturm von Bussen, Jeeps und PKWs gar nicht ausgelegt sind. Bevor ich aufgebrochen bin, war ich noch eine Weile in Haridwar und Rishikesh. Haridwar kannte ich nur von der Kumbha Mela 1998, mit vielen Millionen Gläubigen in dieser kleinen Stadt. Diesmal war es eher ruhig und entspannt. Für viele Pilger auf dem Weg nach Norden ist Haridwar der erste wichtige Stop, die Pooja am Har Ki Pauri-Ghat hat eine grosse Bedeutung. Rishikesh dagegen, nur 25 km nördlich von Haridwar, scheint zu schlafen. Es ist immer noch eins der wichtigsten spirituellen Zentren Indiens, aber in den letzten Jahren, spätestens seit die Beatles hier ihre Mantren gelernt haben, hat sich die Spiritualität sehr zum Geschäft entwickelt. Es gibt unzählige Yogaschulen, Meditationskurse, ayurvedische Kliniken und es ist schwierig herauszufinden, wo man wirklich gut aufgehoben ist. Erleuchtung wird im Chrash-Kurs versprochen, ist natürlich etwas teurer, wenns so schnell gehen soll. Die Umgebung ist sehr schön, die Hügel ringsum sind die ersten Ausläufer der Himalaya-Vorgebirge und auch der Ganges ist noch angenehm sauber zum schwimmen. Die German Bakery mit Filterkaffee und Schokoladenkuchen hebt den Ort zwar nicht gerade auf ein höheres spirituelles Niveau, ist aber auch mal wieder ne angenehme Abwechslung nach all dem immer zu dünnen Nescafe an den indischen Tee-Ständen.Und wer weiß, wenns mal wieder so was Leckeres gibt, an den Gangesquellen sicher (und hoffentlich) nicht.
Die erste Station meiner Pilgertour war Kedarnath. Ca. 200 km nordöstlich von Rishikesh traumhaft schön in einem Hochtal auf 3.600 m gelegen, wird der einige 100 Jahre alte Tempel nur vom 6.970 m hohen Kedarnath und vom 5.970 m hohen Mahalya Parbat überragt. Als ich vor 9 Jahren schon mal hier war, war das ein phantastisches Motiv, heute steht direkt hinter dem Tempel ein knallig rot-weißer Mobilfunkmast. Die kleine Stadt da oben ist um das 4-fache gewachsen, Hotel steht neben Hotel, das Pilgergeschäft boomt. Und das Ganze wird wahrscheinlich noch mehr wachsen, wenn erst die Straße fertig ist, die im Nachbartal gebaut wird und nur noch auf die Fertigstellung eines riesigen Tunnels wartet. Jetzt muß der fromme Pilger noch von Gaurikund auf 2.000 m die restlichen 14 km laufen. Oder sich für viel Geld von einigen der 10.000 Nepalis, die über den Sommer hier arbeiten, hochtragen lassen. Für die indischen Mittel- und Oberklasse-Pilger, die mittlerweile auch viel Geld, aber keine Zeit mehr haben, gibt es seit kurzem einen Helicopter-Service, der die Anreise auf 20 min verkürzt. Teure, aber sehr wirtschaftliche Seelenwäsche. Ich bin mit dem normalen Volk gelaufen, viele waren unterwegs, um bei der Eröffnung dabei zu sein. Die Götterstatue überwintert in Ukhimath im Tal und wird in einer 3-tägigen Prozession zum Tempel getragen. Ich bin immer wieder zutiefst beeindruckt von den Menschen, die sich den langen Weg hier hoch schinden. 60-, 70-jährige aus dem gesamten Subkontinent, die zum Teil noch nie in ihrem Leben Temperaturen unter 25 Grad erlebt haben, stehen barfuß und dürftig in Decken eingewickelt, völlig erschöpft plötzlich bei 0 Grad im Schneeregen. Und es ist immer wieder der gleiche Gesichtsausdruck, den ich schon so oft an ähnlichen Orten gesehen habe. Tiefes Glücksgefühl, alle Unannehmlichkeiten scheinen gar nicht mehr wahrgenommen zu werden. Am 30.4. um 5:00 Uhr wurde der Tempel geöffnet, die Menschen standen schon seit 2:00 Uhr nachts in der eisigen Kälte. Barfuß, zitternd. Als ich mich 4:30 Uhr aus dem halbwarmen Schlafsack gequält habe, war die Schlange schon einen halben Kilometer lang. Der Tempel ist einer der 12, über ganz Indien verteilten Jhoti-Lingams, in denen natürliche Lingams angebetet werden. Der Sage nach hat sich Shiva hier auf der Flucht vor den Pandavas in einen Stier verwandelt und in der Erde eingegraben. Die Pandavas haben ihn aber noch am Schwanz zu fassen gekriegt und haben ihm buchstäblich den Hintern abgerissen. So ist es also Shivas Allerwertester, der hier im Tempel mit Blüten und Rosenwasser angehimmelt wird. Ich wollte noch einen alten Sadhu besuchen, den ich das letzte Mal fotografiert habe und ihm das Foto bringen, aber ich war zu spät. Er war schon im Nirwana oder im nächsten Leben. Das ist mir in den letzten Monaten schon einige Male passiert.
Nach ein paar Tagen da oben bin ich, meist per Anhalter, nach Gangotri gefahren. Die Straßen hier im Garwhal-Himal sind grauselig, sehr schmal, oft nur Schotter, es geht nur auf und ab, auf der einen Seite gehts mehrere hundert Meter in die Tiefe, auf der anderen senkrecht nach oben. Die Straßen wurden aus den Steilhängen herausgesprengt, überall hängen noch hausgroße Felsbrocken oben drüber. Immer wieder Felsstürze, die Straße bricht herunter, die Busse sind überladen, Reifen haben kein Profil und es riecht besorgniserregend nach verbrannten Brems- und Kupplungsbelägen. Ab und zu liegt ein Wrack unten im Wasser, diese Abstürze überlebt niemand. Wenn sich auf der einspurigen Strasse 2 Busse begegnen, schrammen sie mit Millimeterabstand aneinander vorbei, eigentlich geht es gar nicht. Die indischen Busfahrer sind auf meiner Fahrradreise vor ein paar Jahren alles andere als meine Freunde geworden, vor denen hier im Gebirge aber ziehe ich respektvoll den Hut. Gangotri liegt auf 3.150 m, der Tempel ist nur 500 m von der Bushaltestelle entfernt. Die Entbehrungen hier halten sich also in Grenzen, dementsprechend viele Pilger sind auch hier. Aber nur wenige von ihnen gehen den 18 km langen Weg nach Gaumukh, dem eigentlich wichtigsten Ort hier in diesem Tal. In Gaumukh, dem auf 4000 m Höhe gelegenen Abbruch des Baghirati-Gletschers, entspringt der Baghirati-Fluss, der erst 250 km weiter talwärts in Devprayag nach dem Zusammenfluss mit dem Alakananda zum heiligsten Fluss Indiens, dem Ganges, wird. Ich hatte so ein bißchen die Hoffnung, vielleicht einen interessanten Sadhu zu treffen und mit ihm nach Gaumukh zu gehen. Es waren zwar genügend da, die wie Sadhus aussahen, deren Aktivitäten sich aber darauf beschränkten, entweder den ganzen Tag mit aufgehaltener Hand an der Straße zum Tempel zu sitzen oder aber den ganzen Tag mit aufgehaltener Hand auf der Straße zum Tempel den Pilgern hinterherzulaufen. Wenig beeindruckend. Ich hab dann aber doch noch einen netten Mouni-Baba (einer, der für 12 Jahre nicht spricht) getroffen, aber als es losgehen sollte, hat er gekniffen, weils da oben zu kalt sei. Ich bin dann alleine los, der Weg geht am Baghirati entlang und endet am Abbruch des Gletschers. Von Jahr zu Jahr muß der Pilger weiter laufen, der Gletscher nimmt jährlich beängstigend an Länge und Dicke ab. Irgendwann, wenn die globale Erwärmung so weitergeht, wird er nicht mehr da sein, aber bis dahin gibts die Karma-Wäsche mit Sicherheit schon online, gemütlich vom Sofa aus, mit dem Laptop auf den Knien. Zahlung ebenfalls ganz bequem online, der Reinheitsgrad der Seele wird sich an der Höhe der eingegangenen Zahlung orientieren. Noch aber heißt es baden, da führt kein Weg dran vorbei. Die Pilger gießen sich das eiskalte Wasser, welches aus dem vielleicht 20 m hohen Gletscherabbruch herausgesprudelt kommt, über Kopf und Körper, das Zähneklappern ist lauter als das Rauschen des Wassers. Viele versuchen so nahe wie möglich am Gletscher zu baden, jedes Jahr kommen einige Pilger durch herabstürzende Eisblöcke ums Leben. Ich hab mir das Bad diesmal erspart, zum einen war ich ziemlich erkältet und mir wars einfach zu kalt und zum anderen war ich noch etwas enttäuscht vom letzten Mal, als ich im Schnee zur Quelle gestapft bin, mich todesmutig in Erwartung der Reinwaschung von allen bis dahin begangenen Sünden ins 1 Grad kalte Wasser gestürzt habe und später feststellen mußte, dass doch nicht alle Flecken rausgegangen waren. So hat sich mein Reinigungsritual diesmal auf Füße und Gesicht beschränkt und ich bin weitergelaufen nach Tapovan. Da oben auf 4.400 m lebt seit Jahren ein Sadhu in einer Höhle. Er ist das ganze Jahr über dort, im Winter manchmal unter 7 m Schnee begraben. Er stammt aus der Panda-Kaste, der Brahmanen-Kaste, die die Tempel bewirtschaftet und wurde von seinem Vater im Alter von 3 Jahren dazu bestimmt, Sadhu zu werden. Seitdem macht er nichts anderes als Yoga und Meditation. Sagt er. Ein paar seiner Verhaltensweisen wären bei uns bestimmt schon pathologisch, aber das hat ja nicht viel zu sagen. Viele unserer Verhaltensweisen hätten hier ebenso Krankheitswert, solche Dinge sind ja meist doch eher eine Frage des Standpunktes. Ich fand, für seine Lebensumstände war er noch ziemlich gut drauf. Nach einer kalten Nacht in seiner etwas muffigen Höhle gab es dann am anderen Morgen ein traumhaftes Panorama. Direkt hinter der Höhle ragt der Shivling mit 6.340 m in den Himmel und auf der anderen Seite des Gletschers funkelten die 3 Gipfel des 6.340 m hohen Bhaghirati in der Morgensonne. Leider nicht allzulange, dann zog wieder alles zu und ich bin lieber wieder losgelaufen, um nicht im dichten Nebel durch den Gletscherbruch irren zu müssen.
Die nächste Station meiner Pilgerreise war Yamunotri. Dieser Ort wird als die Quelle des Flusses Yamuna angegeben, der zwar auch in den Ganges fließt, aber erst nach ca. 1.500 km in Allahabad. Die Wege über die Gebirgszüge zwischen den einzelnen Quellen sind leider so früh im Jahr wegen zu viel Schnee noch nicht begehbar, also immer mit dem Bus außenrum. Für 150 km kann man einen ganzen Tag einplanen und am Ende des Tages gibt es nichts, was nicht wehtut. Die Busse sind vollgestopft mit Menschen, Gepäck und Ziegen, es ist einfach kein Platz, mal die Beine langzumachen. Die ersten 9 km nach dem Ende der Straße kann der Pilger noch mit dem Jeep auf einem steinigen, holperigen Weg fahren. Ich war erstaunt, als ich feststellte, dass ich der einzige aus dem Bus war, der lief. Sogar die Herren Sadhus machten es sich lieber einfach. Wenns dann mit dem Jeep nicht mehr weitergeht, warten Pferde und Träger auf den durchgeschüttelten und gebeutelten Pilger, der nun für die letzten 5 km vom Jeep auf den Pferderücken umgebettet wird. Die armen kleinen Pferdchen verdrehen die Augen, wenn die mittelständischen Großstadt-Muttis, für die das Körpergewicht die einzige Ausdrucksform für Wohlstand und Wohlbefinden zu sein scheint, ihre dicken Hintern auf sie hieven. Täglich werden 5-10.000 Pilger hochgeschleppt. Meine Aufmerksamkeit hat sich mehr darauf gerichtet, nicht ständig in Pferdescheiße zu treten, als das ich die schöne Landschaft geniessen konnte. Oben im Tempel das übliche Spiel, gelangweilte Priester lassen sich für ihre Dienste gut bezahlen, da ist nicht viel von Heiligkeit zu spüren. Der fromme Pilger ist natürlich froh darüber, er ist ja gekommen, um für seine Karmawäsche zu bezahlen. Ihr merkt schon, in Yamunotri hat mir die Atmosphäre nicht so besonders gefallen, ich hab mich dann auch nicht so lange aufgehalten wie in Kedarnath und Gangotri und bin weitergefahren zum letzten Ort der Dschaar Dham, nach Badrinath.
Auf dem Weg nach Badrinath, das ganz im Nordosten des Garwhal, nur 60 km südlich der tibetischen Grenze liegt, hab ich noch einen kleinen Abstecher nach Tungnath gemacht. Der Tempel in Tungnath auf 3.700 m ist der am höchsten gelegene hier in der Gegend, in ihm werden die Arme und Teile der Brust Shivas verehrt. Oberhalb des Tempels, in Chandrasila auf 4.100 m hat man eine phantastische Rundumsicht über das gesamte Kumaeon- und Garwhal-Gebirge. Der Sonnenaufgang, wenn nur die Spitzen der 7.000-er von der Sonne angestrahlt werden, war einer der eindrucksvollsten, die ich je gesehen habe.
Badrinath auf 3.100 m ist nur nach dem üblichen Chaos auf den schmalen Strassen die Täler hinauf zu erreichen. Hier ist das Chaos gerade besonders groß, im Moment ist wegen der Schulferien Hochsaison, täglich kommen ca. 20.000 – 25.000 Pilger hier an. Wer einen netten kleinen Pilgerort ganz hinten im Tal erwartet, wird herb enttäuscht. Es ist eine mittelgroße Stadt, die hauptsächlich aus Hotels, Restaurants und allen möglichen Läden besteht. Die vielen Menschen wollen ja alle mindestens eine Nacht untergebracht werden. Die Zimmerpreise sind utopisch, es gibt zentralgeheizte Luxushotels, in denen eine Nacht 9.000 Rupies kostet. Davon lebt eine Familie in den Slums von Bombay sicher ein Jahr lang. Und diese Hotels sind voll! Vor dem Badrinarayan-Tempel, der außergewöhnlich farbig angestrichen ist und wahrscheinlich vor langer Zeit mal ein buddhistischer Tempel war, wieder kilometerlange Schlangen anstehender Pilger. Alle bunt durcheinander, der Bauer aus Gujarat neben dem Geschäftsmann aus Dehli. Und immer wieder die gleichen Rituale, gelangweilte dekadente Priester brabbeln geistesabwesend ihre Mantren. Das Einzige, was sie aus ihrem Stumpfsinn zu reißen scheint, ist der knackige Hintern der Studentin aus Bombay, die in engen Jeans und Stöckelschuhen frierend vorüberstakst. Der Tempel hier erwirtschaftet astronomische Summen. Ich bin immer noch fasziniert, wenn ich in die Gesichter mancher Pilger schaue. Hauptsächlich in die der alten Menschen, für die sich ein Lebenstraum erfüllt, wenn sie diese Yatra zu den 4 Quellen gemacht haben. Nun können sie beruhigt zurück nach Hause fahren, eine wichtige Station im Leben ist erreicht. Die Seele ist noch mal gründlich gewaschen worden, das Lebensende kann kommen. Der Tod hat hier ohnehin eine ganz andere Bedeutung als in unserer abendländischen Kultur, ein beendetes Leben ist auch gleichzeitig wieder der Anfang eines neuen. Die Seele schlüpft nur in einen neuen Körper. Sterben ist nicht mit diesem furchtbaren Schrecken behaftet wie bei uns. Es geht hauptsächlich darum, sein Karma möglichst rein zu halten (oder eben für viel Geld wieder reinwaschen zu lassen), um im nächsten Leben in eine bessere Lebenssituation hineingeboren zu werden. Bis man dann irgendwann mal, nach hunderten oder tausenden Leben durch außergewöhnlich gutes Karma aus diesem Zyklus befreit wird. Was mich weniger beeindruckt, ist das Geschäft, welches mit dieser Gläubigkeit gemacht wird. Es ist eine gewaltige Industrie, die diese ganze Pilgerei bedient. Reiseagenturen, Bus- und Taxiunternehmen, Träger, Hotels, Restaurants bis zu Läden, die dem Pilger von der dicken Mütze über Räucherstäbchen bis zum Toilettenpapier alles mögliche verkaufen. Ganz vorne dran die Priester, denen außer dem Geld der Pilger nichts mehr heilig zu sein scheint. Das ganze Theater wirkt eher abstoßend auf mich und mir tut der arme Bauer aus Gujarat leid, so wie er hier durch die Mangel gedreht wird. Er wird es aber gar nicht wahrnehmen, er ist ja glücklich, hierzusein. Ich laufe lieber mal ein Seitental hinauf und sitze eine Weile mit einem Sadhu herum, der die ganze Szenerie unten im Tal nur müde belächelt. Im Ganzen aber waren die letzten 5 Wochen an den heiligen Plätzen im Garwhal-Himal eine sehr schöne Zeit für mich. Es bröckelt zwar immer wieder ein bißchen was von der Fassade ab, aber gleichzeitig gibts viel Neues zu erfahren und zu sehen. Mein Bild von Indien wandelt sich ständig. Aber da sich auch Indien ständig wandelt, wird es wohl immer unvollständig bleiben, egal, wie oft ich noch hierherkommen werde.
Leider ist mir in Badrinath meine Kamera kaputt gegangen. Sie hat mich noch ein paar wenige Fotos vom Tempel machen lassen und hat dann nach ca. 3.500 Fotos in den letzten 5 Monaten ihre Arbeit eingestellt. Sie hätte ruhig noch 2 oder 3 Tage durchhalten können, es ist sehr fotogen hier. Mein Reparaturversuch mit dem Taschenmesser ist mißlungen und kurz danach gabs nochmal einen kleinen Hoffnungsschimmer. Ich bin etwas enttäuscht einen Tee trinken gegangen und mit einem indischen Fernsehmechaniker ins Gespräch gekommen. Er erzählte mir, dass er vor ein paar Jahren mal russische Spiegelreflexkameras repariert hat und wollte sich meine Minolta mal anschauen. Die Art und Weise, wie er das tat, hat mich in kurzer Zeit davon überzeugt, dass er vielleicht russische Panzer, aber sicher keine Kameras repariert hat. Ich hab sie ihm sofort wieder aus der Hand genommen. Die Erinnerung an den iranischen Fahrradspezialisten, der mir vor ein paar Jahren in Sekundenschnelle das Hinterrad meines Fahrrades ruiniert hat, war noch zu frisch.
Aber so schade es auch um die Fotos hier ist, ich hatte so viele Gelegenheiten, interessante und ungewöhnliche Motive zu fotografieren, dass ich die defekte Kamera jetzt so kurz vor dem Ende meiner Reise ganz gut verschmerzen kann. Und wenn ich mich daran erinnere, wieviele Menschen hier in Indien unter Umständen leben müssen, unter denen ich wahrscheinlich nicht einmal überleben könnte, bin ich im Grunde ganz glücklich, dass mein einziges Problem im Moment eine defekte Kamera ist.



INDIEN, Mitte April 2007

Liebe Leute,
seit Holi ist ja schon wieder eine kleine Weile vergangen. Mein Auge, welches die Ladung Farbe abbekommen hat, ist immer noch nicht wieder richtig klar. Der gelbe Schleier ist zwar weg, aber aber so ganz scharf sehen kann ich noch nicht wieder. Wenn das so bleibt, bin ich mir nicht so ganz klar darüber, ob es das wert war. Andererseits, wer weiß, was vielleicht woanders passiert wäre, wenn ich zu der Zeit nicht im Tempel gewesen wäre. Das ganze Farbpulver in meiner Lunge ist mit Sicherheit noch nicht wieder draußen, dafür war es einfach zuviel. Aber egal, Holi in Vrindaban war das absolut wildeste Fest, welches ich je in Indien erlebt habe. Danach bin ich wieder zurück nach Rajasthan gefahren, um unter anderem auch an Orte zu gehen, in denen ich vor 10 bzw. 15 Jahren schon mal war. Rajasthan ist seit langer Zeit touristisch sehr erschlossen, was Angenehmes, aber auch weniger Angenehmes mit sich bringt. Vieles verändert sich rasend schnell in Indien, Jodhpur z.B. hat heute doppelt so viele Einwohner. Ich hatte die Stadt als ganz gemütlich in Erinnerung, mit vielen kleinen Gassen zwischen den blau angemalten Häusern. Schön zum rumschlendern und absolut ergiebig zum fotografieren. Heute ist die gesamte Altstadt zwischen 7:00 und 22:00 ein einziges Hupkonzert und stinkendes Geknatter tausender Mopeds, unmöglich, sich mal irgendwo an den Rand zu setzen und auf ein Foto zu warten. Auch von oben sieht es nicht mehr ganz so schön aus, in vielen Häusern sind neue Etagen dazugekommen, die aber nicht mehr blau angemalt wurden.
In Jaipur, der Stadt mit dem schlechtesten Ruf überhaupt, war ich einerseits überascht, andererseits aber auch enttäuscht. Enttäuscht, weil ich gekommen war, um ein paar Fotos von der überall als rosarote Stadt angepriesenen Stadt zu machen, aber feststellen mußte, das sich die rosa Farbe nur auf ein paar Fassaden entlang der Hauptgeschäftsstraßen beschränkt. Der Rest ist grau in grau. Überrascht, weil alle Schlepper und Verkäufer offensichtlich zu einer Schulung für gutes Benehmen geschickt worden waren. Sie waren ausgesprochen höflich, Excuuuuuse me, sir, would you like to have a look into my shop? und blieben sogar freundlich, wenn mir grad nicht so war. Ich war vor 15 Jahren schon mal da und hatte recht unangenehme Erinnerungen an diese Geschäftsleute. Sie wurden zum Teil richtig aggressiv, wenn man sich ihren Einladungen zu entziehen versuchte. Aber wahrscheinlich haben sie irgendwann mal festgestellt, dass sie mit ihrer Penetranz nicht mal mehr die miniberockten Neckermann-Reisegruppen-Muttis in ihre düsteren Shops zerren konnten und haben sich ein neues Konzept überlegen müssen. Schon interessant, was der Tourismus hier in Rajasthan so für Blüten treibt. Bei den Hauptattraktionen für die Gruppenreisen tauchen die lustigsten Gestalten auf. Schön geschmückte Rajasthani-Frauen, die für viel Geld billigsten Tand als antiken Schmuck verkaufen, ihre Männer fiedeln derweilen ziemlich emotionslos originale Volksmusik auf der Ravanhattha herunter. Absolut jedes Kind kann, bevor noch das erste Mal Mama oder Papa über die Lippen gekommen wäre, akzent-und fehlerfrei die Sätze give me pen und give me 10 rupies sprechen. In anderen Gegenden wird noch ganz bescheiden nach 1 Rupie gefragt. Als Sadhu verkleidete alte Männer, ebenso heilig wie das Stück Apfelkuchen in der German Bakery, vor der sie ihren täglichen Auftritt haben, beschränken sich in ihrem Vokabular auf das simple, aber wirkungsvolle Sadhu! Bakschisch! und lassen sich für ein mieses Portrait in der Mittagssonne gleich mal 100 bis 200 Rupies rüberreichen. Das durchschnittliche Tageseinkommen einer indischen Familie beträgt ca. 120 Rupies. Aber ich kann es den Leuten auch gar nicht verübeln, ich weiß nicht, was ich mir aussuchen würde, wenn ich die Wahl zwischen 14 Stunden auf dem Feld ackern oder einer freiberuflichen Tätigkeit als Fotomodel im Tourismusgeschäft hätte.
In Pushkar, einem der heiligen Orte Indiens, hat sich eine ganz eigene Atmosphäre entwickelt. Dort steht der einzige Brahma-Tempel des Subkontinents und das grüne, brackige Wasser des Sees in der Mitte des Ortes ist offensichtlich immer noch in der Lage, Sünden abzuwaschen. Pilgergruppen aus entlegenen Gebieten Rajasthans werden, wie schon seit eh und je, von korrupten und geldgeilen Priestern zur Pooja getrieben, geben ihr ganzes gespartes Geld fürs Seelenheil her und stehen dann etwas ratlos vor den vielen Klamotten- und Schmuckshops oder den schillernden Botschaftern unserer westlichen Kultur. Denen wirds im März selbst im Schatten der Palmen Goas zu heiss. Sie verlagern ihre Fullmoon-Parties über den Sommer nach Manali, wo das Gras schon am Wegesrand gedeiht, aus und machen auf halbem Wege ein kleines spirituelles Päuschen hier. Im Oktober dann das gleiche Schauspiel noch mal, wenns im hochgelegenen Manali langsam kalt wird und die klammen Finger den Shilom nicht mehr halten können, ziehen alle wieder zurück ins warme Goa. Trotz alledem, es ist immer noch ein angenehmer Ort, wenn man sich mal ein paar Tage von der Hektik indischer Städte zurückziehen will.
Ganz im Westen Rajasthans, in Jaisalmer, wird man von den Schleppern fast zerrissen, wenn man aus dem Bus aussteigt. Jeder will die wenigen Touristen, die den langen Weg dorthin auf sich nehmen, in seine Rikscha schieben und später im Hotel seine Provision kassieren. Mit mir klappt sowas ja gar nicht, da ich fast keine Rikschas benutze und meist laufe, aber dort hatte ich ganz schön zu tun, überhaupt erstmal davonzukommen. Dafür hab ichs aufgenommen, es ist köstlich! Diese kleine Stadt in der Wüste Thar mt einem wunderschönen alten Fort auf einem Hügel in der flachen Einöde hat mittlerweile schon ganz schön mit den Folgen des Tourismus zu kämpfen. Als ich 1997 dort war, gab es ca. 40 Hotels, mittlerweile sind es um die 400. 100 davon im Bereich des Forts, welches nun so langsam unter dem Gewicht des vielen Wassers, welches für die Hotels hochgepumpt wird, buchstäblich im Boden versinkt und beginnt, auseinander zu brechen. Die Abwässer versickern im Boden und schwemmen so langsam den Hügel unter dem Fort weg. Die einzige Möglichkeit, das Fort zu erhalten, wäre, alle Hotels da oben zu schliessen. Sicher nicht so einfach….
In den letzten Tagen war ich in Bikaner, einer von Touristen nicht so oft besuchten Stadt im Norden Rajasthans, mit einem interessanten Palast, einer lebendigen Altstadt mit viele Handwerkern und einem ungewöhnlichen Tempel in der Nähe. Im Karni Mata Tempel in Deshnok leben tausende Ratten wie im Paradies, werden von den Pilgern gefüttert und man glaubt an eine lange Glückssträhne, wenn einem eine der Ratten über die Füsse rennt. Die Menschen glauben, daß in diesen Ratten die Seelen von verstorbenen Weisen und Sadhus bis zu deren nächster Wiedergeburt leben. Großen Ärger gibt es, wenn man auf eine drauftritt. Die Hoffnung, dass dies unentdeckt bleiben könnte, kann man getrost vergessen. Dafür quietscht es bestimmt viel zu laut. Zur Sühne dieser Untat muß man eine Ratte aus Gold der Göttin darbringen. Die Pilger bringen leckerste Gerichte, sogar Whiskey und Rum. In mir kam so der Verdacht hoch, daß die Priester den Glauben, Ratten mögen Whiskey, in eigenem Interesse in die Welt gesetzt haben und jeden Tag nach Feierabend gewaltig einen draufmachen im Kämmerchen hinter dem Schrein…. Ich war ja vor Jahren schon mal dort, aber es war wieder schaurig-eklig faszinierend. Ich hab wunderschöne Portraitaufnahmen von einigen Ratten gemacht und nicht eine hat nach 100 Rupies gefragt. Ihr seht, auch in Rajasthan gibts noch Leute, denen das Materielle bissl hinter runter geht. Aber man muss schon suchen…
So im Großen und Ganzen reichts mir jetzt ein wenig im Vorzeige-Bundesstaat. Mir gefällts im richtigen Indien besser. In der letzten Zeit waren auch schon 40 Grad im (wenig vorhandenen) Schatten und in dieser Hitze macht es noch weniger Spaß, sich die Horden nach Rupies und Kugelschreiber fragenden Kids vom Leibe zu halten. Und es wird nur noch wärmer. Ich mach mich jetzt auch so langsam auf dem Weg nach Norden. Nicht nach Manali, ich möchte noch mal in den Gharwhal-Himal zu den Gangesquellen. Einige der Sadhus, mit denen ich in Varanasi gesprochen habe, sind auch auf dem Weg dahin. Vielleicht treffe ich ja den Einen oder den Anderen.



INDIEN, Mitte März 2007

Liebe Leute,
auch auf die Gefahr hin, dass ich Euch auf die Nerven gehe, ich muß noch mal was loswerden. Wenn ich das hier in 2 oder 3 Wochen schreibe, ist alles schon wieder zu blaß. Ich bin gerade in Vrindaban, dem Ort, in dem Krishna seine Kindheit verbrachte. Shashank, ein indischer Freund, hatte mich eingeladen, das Holi-Fest hier zu feiern. Es ist ja immer so eine Sache, wie ernst man die Locals hier in Indien nehmen sollte, wenn sie allzu enthusiastisch über ihren Heimatort berichten. Da dieses Fest aber direkt mit der Krishna-Legende verknüpft ist und Vrindaban eines der Hauptpilgerzentren für Krishna-Anhänger ist, dachte ich mir, so falsch kann er ja vielleicht doch nicht liegen und bin hergefahren. Es ist mir etwas schwergefallen, Khajuraho so früh schon wieder zu verlassen, die allabendlichen Tänze waren doch zu schön. Dieses Land hat eine so reiche Kultur, hoffentlich bleibt wenigstens etwas davon bei der immer schneller werdenden Verwestlichung erhalten.
Es gibt einige verschiedene Versionen der Holi-Geschichte. Eine davon ist die, dass die Dämonin Holika auf Wunsch ihres Bruders Hiranya Kashyap dessen Sohn Prahlad umbringen sollte, da er an Krishna glaubte. Holika war unsterblich und nahm Prahlad mit ins Feuer, um ihn zu verbrennen. Krishna wurde zum Nationalhelden, indem er Prahlad schützte und Holika verbrennen ließ. Aus lauter Freude über den Tod der Dämonin bewarfen sich die Menschen mit Farbe. Am Haupttag des Festes werden dann überall in der Region Braj Feuer entfacht, in den Statuen von Holika verbrannt werden. Holika wird dabei aus Stroh und Prahlad aus Ton gestaltet, somit ist der richtige Ausgang der Geschichte schon mal vorprogrammiert. Gleichzeitig wird mit Holi der Winter verabschiedet und der Frühling begrüßt.
Ich bin 4 Tage vor dem Haupttag angekommen, alles macht noch einen relativ ruhigen Eindruck. Shashanks Familie (eine Brahmanenfamilie, die hier einen der wichtigsten Tempel bewirtschaftet) hatte mich schon erwartet. Sie warnten mich, daß an diesen Tagen auf nichts und niemanden Rücksicht genommen wird. Ich hatte mir aus einer stabilen Plastiktüte eine hoffentlich wasserdichte Hülle für meine Kamera gebaut, hatte aber gar keine Ahnung, wie wild das hier alles werden würde. Am nächsten Tag bin ich dann mit Marie, einer Kanadierin aus Montreal, mit der ich seit einer kleinen Weile unterwegs bin, erstmal ohne Kamera durchs Dorf geschlendert. Alles war relative ruhig, irgendwann aber kamen uns imer mehr völlig nasse und über und über mit Farbe beschmierte Leute entgegen. Wir sind denen weiter entgegengegangen und kamen zum Bihari-Tempel, dem Tempel, in dem Holi besonders exzessiv gefeiert wird. Sofort waren wir auch klatschnaß und voller Farbe. In dem Tempel war die Hölle los, eine vom vielen geworfenen Farbpulver fast undurchsichtige Luft, Priester mit großkalibrigen Wasserspritzen schossen tonnenweise farbiges Wasser in die Menge. Weit und breit war kein anderer Tourist zu sehen und Marie hatte in kürzester Zeit so viele grabschende Hände an ihrem Hintern wie wohl noch nie zuvor in ihrem Leben. Es war wie eine bunte Hölle, wie eine explodierende Farbenfabrik. Wir sind nach kurzer Zeit wieder geflüchtet, aber es war völlig klar, dass ich das fotografieren mußte. Etwas beunruhigt wegen meiner Kamera und auch etwas wegen Maries Hintern sind wir am nächsten Tag wieder dahin gegangen. Es waren außer uns noch 2 französische Fotografen da, perfekt ausgerüstet mit Regencape, Schutzbrille und Unterwassergehäuse für die Kameras. Ich kam mir vor wie ein Frisör mit meiner Plastiktüte und meinen völlig verschlammten Klamotten. Man konnte das ganze Theater ziemlich komfortabel von einem Balkon in dem Tempel fotografieren, aber da ich nur das 50mm Objektiv mit meiner Plastiktüte verklebt hatte, wollte ich auch mal ein bisschen näher ran und hab mich ins Getümmel gestürzt. Das war keine gute Idee. Fotografieren war so gut wie unmöglich. Ich hab zwar 2 oder 3 Mal auf den Auslöser gedrückt, aber überleben hatte sofort Priorität. Nach kurzer Zeit flog mir eine Ladung Farbe ins rechte Auge und ich bin leicht panisch zum Wasserhahn gerannt. So wie man eben im knöcheltiefen Farbschlamm auf Marmorboden rennen kann, mir einem blinden, brennenden Auge, einer mit Farbpulver halbvollen Lunge und immer noch Angst um die Kamera. Die Sorge um Maries Hintern rückte in diesem Moment eher etwas in den Hintergrund. Ich hab minutenlang Wasser über mein Auge laufen lassen und mich dann wieder auf den Balkon gerettet. Der Film war auch voll, ein Filmwechsel unter diesen Umständen absolut illusorisch. Das Auge brannte höllisch und ich fühlte mich, als ob ich durch eine gelbe Milchglasscheibe blickte. Ich war so hin und hergerissen zwischen sofort zum Augenarzt gehen und der Faszination dieses Tempels. Nach nochmaligem Spülen und der Vermutung, daß ja in Vrindaban gar kein Augenarzt sein wird, hat der Tempel gewonnen und ich hab noch die völlig abgefahrene Geräuschkulisse aufgenommen. Mit dem einen, noch funktionierenden Auge immer auf der Suche nach in meine Richtung fliegenden Wasser oder Farbpulver. Mittags war dann ziemlich abrupt Schluss, in und vor dem Tempel sah es aus wie im Krieg.
Der nächste Tag war der Haupttag, wir sind zu dritt mit dem Moped zu einem Dorf gefahren, in dem ein Priester durch ein ca. 10 m breites Feuer rennen sollte. Der Weg dahin war eine einzige Farbschlacht, die Busdächer voller Leute, die säckeweise Farbpulver herumschleuderten. Dorfdurchfahrten waren wie Spiessrutenlaufen, Kinder schmissen mit Kuhscheisse, aber das war dann auch schon egal. Wir sahen aus wie bunte Schweine. Das Feuer in dem Dorf war schon errichtet, ein Riesenhaufen Reisig und trockener Kuhdung. Trommler heizten die Leute an und es floß reichlich Alkohol. Ich hab mich auf ein Dach in der Nähe des Feuers durchgekämpft, ich wollte den Priester im Feuer fotografieren. Alle Dächer ringsum und der grosse Platz mit dem Reisighaufen waren brechend voller Leute. Wieder Farbpulver ohne Ende, bis das Feuer angezündet wurde. In Sekundenschnelle brannte das Reisig lichterloh, unten prügelten Männer mit Stöcken die tanzenden, durchgedrehten und teilweise betrunkenen Männer vom Feuer weg. Ich saß ganz vorne an der Dachkante und hatte schon Krämpfe in den Beinen vom festklammern an der kleinen Mauer. Von hinten drängten die anderen Menschen auf dem Dach. Der Wind drückte die vielleicht 10 m hohen Flammen in Richtung Dach, es wurde sofort unerträglich heiß. Der beste Platz wurde zum schlechtesten, aber ich konnte nicht weg. Das Feuer war so hoch, dass ich noch das Objektiv wechseln musste, es ging nur mit dem Weitwinkel zu fotografieren. Als die Flammen dann etwas niedriger wurden hab ich das 50 mm Objektiv wieder drangemacht um bessere Aufnahmen von dem Priester machen zu können. In in dieser Zeit, als ich in meinem Rucksack rumgewühlt habe, ist der Priester durchgerannt, ohne das ich ihn auch nur gesehen hätte. Für einen Moment war ich etwas enttäuscht aber am Ende spielte es doch keine so große Rolle. Die Atmosphäre war auch ohne das Foto gigantisch. Wir sind dann bald losgefahren, sehr viele Schnapsflaschen machten die Runde und es ist immer schwer einzuschätzen, wie sich so eine alkoholschwangere Stimmung entwickelt. Auf der Rückfahrt brannten noch überall die Feuer, in denen eine Holika-Statue verbrannt wurde.
Damit ist Holi eigentlich zu Ende, aber hier in Vrindaban gings erst richtig los. Der Vormittag des Tages nach Holi ist der Tag der absoluten Gesetzlosigkeit, keine Regeln, keine Hemmungen, keine sozialen Barrieren mehr. Dafür tonnenweise Farbe, mehr Wasser als an einem Monsunregentag und hektoliterweise Whiskey. Trommler zogen durch die Straßen, es wurde wild getanzt und gefeiert als würde am nächsten Tag die Welt untergehen. Es war fast keine Frau auf der Straße zu sehen und dies nicht ohne Grund. Sie wäre zertanzt worden und hätte permanent mindestens 20 Hände an ihrem Körper rumfummeln gehabt. Ich hab versucht, ein paar Fotos zu machen, aber es war fast unmöglich. Aus jeder Richtung kam eimerweise gefärbtes Wasser. Die französischen Fotografen waren mit Polizeischutz und Bodyguards unterwegs. Für mich nicht so interessant, aber an diesem Tag wohl die einzigste Möglichkeit, ein paar brauchbare Bilder zu bekommen. Völlig unbegreiflich war, dass, wie angekündigt, wirklich pünktlich 12 Uhr alles zu Ende war. Alle gingen nach Hause oder zur Yamuna, um sich zu waschen. Die Wasserversorgung Vrindavans brach nach einer Stunde zusammen, in den Abwaessergräben floss blutrotes Wasser in Richtung Yamuna. Der Alkohol war in allen Läden ausverkauft. Nach und nach trauten sich auch die Kühe wieder auf die Strasse und es war eine Ruhe in den farbverschlammten Strassen wie bei uns zu Heiligabend. Aber nicht allzulange, am Abend war alles schon wieder ganz normaler Alltag, als wäre nie etwas gewesen.
2 Tage später, die französischen Fotografen waren sicher schon wieder in Paris oder zu einer Generalüberholung in einem ayurvedischen Wellnessresort in Kerala, gab es in Vrindavan noch eine andere, auf nur einen Straßenzug begrenzte Veranstaltung. Der Legende nach kam Krishna einst mit seinen Freunden in das Dorf Barsana, dem Heimatdorf seiner Geliebten Radha, um dort Holi zu feiern. Die Frauen dort aber waren nicht so scharf darauf mit Farbe vollgemanscht zu warden und prügelten die Knaben wieder aus dem Dorf. Daraufhin gingen die Männer aus Barsana am nächsten Tag nach Nandgaon, dem Dorf Krishnas und wurden dort natürlich auch wieder weggeprügelt. Dies hat sich zur Tradition entwickelt und die Frauen haben mal einen Tag lang Gelegenheit, sich an ihren Männern für alle Ungerechtigkeiten des vergangenen Jahres zu rächen. Sie bewaffnen sich mit Bambusstöcken und prügeln die Männer durch die Straßen. Es ging ganz schön zur Sache. Ich war der einzige Nichtinder und mir war überhaupt nicht klar, wofür sich die Frauen an mir rächen wollten. Für jedes Foto, welches ich gemacht habe, hab ich bestimmt 10 Schläge einstecken müssen. Und ich hab mehr als nur einen einen Film belichtet. Als es zu toll wurde, hab ich mich in einen Schneiderladen geflüchtet, welcher dann von 3 Frauen gestürmt wurde. Nachdem wir sie endlich wieder draussen hatten, fragten mich die Schneider ganz höflich, ob ich denn nicht lieber woanders hingehen will. Es war ein Riesenspaß, aber mir tat alles weh.
Ich würde mich jetzt gerne mal für ein paar Tage irgendwo am Meer in den Sand legen und gar nichts tun, aber der nächste Strand ist 1500 km entfernt..



INDIEN, Ende Februar 2007

Liebe Leute,
Shivratri ist ein großartiges Fest. Es wird die Hochzeit von Shiva und Parvati gefeiert und Varanasi war der beste Ort, an dem man dafür sein kann. Diese uralte Stadt am Ganges, lange hieß sie Kashi, Stadt des Lichts, ist DIE Shiva-Stadt in Indien. Wenn ich an den Ghats entlanglaufe oder durch die Gassen der Altstadt, habe ich den Eindruck, hier ist die Zeit stehengeblieben. Es kann sich auch nicht viel ändern, die kleinen Gassen sind so eng, dass manchmal schon 2 Kühe nicht aneinander vorbei kommen. Dort wird nie ein Auto fahren. Alte Männer sitzen auf den Treppen ihrer Häuser, verkaufen Joghurt oder Tee und beim vielen Schauen bleibts nicht aus, plötzlich bis zum Knöchel in einem Kuhfladen zu stehen. In den kleinen Kanälen entlang der Häusermauern laufen alle Abwässer, was die gesamte Altstadt nicht gerade zu einem Freudenfest für die Geruchssensoren macht. Aber es würde auch was fehlen, wenns nicht so wäre. Alles fließt natürlich in den Ganges, den heiligsten aller heiligen Flüsse und es unbegreiflich, wie sauber das Wasser dennoch aussieht. Mata Ganga wird als Göttin verehrt und gleichzeitig wird ihr aber fröhlich ins Gesicht gepinkelt. In diesem Wasser stehen dann Morgen für Morgen Tausende, um ihre rituellen Waschungen durchzuführen, die vor 1000 Jahren nicht anders ausgesehen haben können. Pilger aus allen Teilen des Landes, für die die Reise hierher und ein Bad im Ganges oft das zentrale Ereignis im Leben darstellen. Es ist faszinierend zu sehen, mit welcher Freude und Hingabe am Rand des Flusses gestanden wird, Blumengirlanden ins Wasser gelegt werden und nach vielen gesprochenen und gedachten Gebeten dann die rituelle Reinigungszeremonie im Ganges durchgeführt wird. Der Glaube, daß mit diesem rituellen Bad alle Sünden dieses Lebens abgespült werden, ist natürlich eine riesige Motivation. Wenn auch einige dieser Rituale für mein westliches Verständnis manchmal etwas fragwürdig erscheinen, wird mir aber auch immer wieder bewußt, wieviel wir in unserer Gesellschaft schon den materiellen Werten geopfert haben. Wieviel wir besitzen und wie arm wir dennoch oft sind. Das Glück, welches den Pilger durchströmt, wenn er hier nach jahrelangem Sparen am Ganges steht, ist wahrscheinlich ein anderes als jenes, welches wir empfinden, wenn wir von der Bank einen Kredit für unseren neuen Mecedes bekommen haben. Der Pilger besitzt vielleicht nichts mehr, aber er hat alles. Für uns gehts Theater erst los, wir brauchen eine Alarmanlage für unser neues Heiligtum, -zig Versicherungen, schmutzig werden darf er während der ersten 5 Jahre auch nicht und wir schlafen schlecht, da in der Nacht vielleicht ein Vogel draufkacken könnte. Es ist einfach eine völlig andere Welt und ich weiß nicht so genau, welche die bessere ist. Vielleicht irgendwo in der Mitte, wie so oft. Viel Besitz scheint oft gleichzeitig auch viel Last zu sein, wenig Besitz dafür vielleicht mehr Freiheit…
Shivratri war irre und hat völlig für die verpasste Kumbha Mela entschädigt. Sehr viele der Shiva-Sadhus sind nach der Kumbha Mela nach Varanasi gekommen. Ich hab zwar keine Sadhus getroffen, die ich schon kannte, hatte aber durch mitgebrachte Fotos von vergangenen Reisen phantastische Möglichkeiten, neue Babas kennenzulernen. Es war alles sehr entspannt, sie waren noch etwas benebelt von einem Monat Hochleistungskiffen in Allahabad und warteten auf die Gelegenheit, nach einer atemberaubenden Prozession durch die Altstadt in den Vishvanath-Tempel zu Pooja gehen zu können. Am Abend vorher rannten Hunderttausende normale Leute die Panch Kosi, 5 mal eine 14 km lange Runde duch die Stadt, Hare Hare Bole Bole rufend. Die gesamte Strecke war gesäumt von Bettlern und Pseudobettlern, die reichlich Reis und Rupies ausgeteilt bekamen. In jedem Shiva-Tempel besondere Poojas, alles schön geschmückt und neu gestrichen. Am nächsten Morgen dann, die Pilger rannten noch immer, rieben sich die Sadhus ihre nassen Körper mit Asche ein und rannten zur Prozession. Dort, im morgendlichen Dämmerlicht, hunderte nakte Naga-Babas, ungeduldig, aufgeregt, Hare Hare Bole Bole rufend, Szenen aus einer unwirklich erscheinenden Welt. Ich bin die gesamte Prozession mitgegangen, nur in den Tempel durfte ich nicht hinein. Ich hab so etwas ja nun schon ein paar Mal erlebt, aber mir jagt es immer wieder kalte Schauer den Rücken runter. Ab und zu erkannte mich einer derer, die ich in den Tagen davor fotografiert hatte und hielt mir seine Haschischpfeife hin. Aber ich brauchte gar nichts zu rauchen, es reichte schon, was an Rauchschwaden durch die Gassen wabberte. Nachmittags, als alles vorbei war, lagen dann die meisten irgendwo im Schatten und träumten von Shiva, nur die ganz Harten rauchten sich noch die letzten Reste Hirn weg. Abends dann, die meisten waren wieder aus dem Koma erwacht, Feuer qualmten vor sich hin, wurden von den Menschen überall an den Ghats aus kleinen Öllämpchen grosse Shiva-Lingams, das Symbol von Shiva und Parvati, aufgebaut und angezündet. Tausende dieser kleinen Flammen flackerten am Ufer und es war wieder mal einer der Momente, in denen mir bewusst wird, was mich immer wieder hier her zieht.
Inzwischen bin ich in Khajuraho, einem kleinen Dorf mit einigen sehr gut erhaltenen Tempeln aus der Chandella-Zeit vor ca. 1000 Jahren. Die Sandsteintempel sind über und über mit wunderschönen, sehr erotischen Skulpturen bestückt, wieder mal Bildhauerkunst in Perfektion. Zur Zeit findet hier das alljährliche Tanzfestival statt, eine Woche lang jeden Abend klassischer Tanz auf einer Bühne vor einem der Tempel. Es könnte romantischer nicht sein. Heute morgen hatte ich das Riesenglück dazuzukommen, als ein indischer Fotograf einige der Tänzerinnen, vor den Tempeln posierend, fotografierte. Ich hatte blitzschnell beschlossen, dass es seine Aufgabe für den heutigen Tag sein soll, sich in Situationen zu fügen, die nicht zu ändern sind. Die Tänzerinnen perfekt ausgeleuchtet mit Spiegeln, geduldig wartend, bis er fertig mit einstellen war. Ich war immer schneller als er, der Verschluss meiner Kamera ratschte immer immer ein paar Sekundenbruchteile vor dem der seinen. Er versuchte, mich loszuwerden, aber es hat nicht geklappt. Wenn ich will, kann ich auch wie ein Inder sein. Man kann mir sagen, was man will, ich sage zwar ja, mache es aber doch nicht. So habe ich jetzt einen ganzen Film voller wunderschöner, in der Morgensonne vor genauso wunderschönen Tempeln posierender Tänzerinnen.



INDIEN, Mitte Februar 2007

Liebe Leute,
hier kommen mal wieder ein paar Grüße aus dem chaotischen, lauten, aber trotzdem liebenswerten Indien. Ich bin gerade auf dem Weg nach Varanasi, um dort bei Shivratri, dem großen Shiva-Fest dabeisein zu können. Es ist ziemlich weit weg von Süd-West-Rajasthan, deshalb steige ich immer mal wieder für ein paar Tage aus demZug oder Bus aus. Es gibt ja ein paar sehr schöne Orte. Mt. Abu mit den Dilwara-Tempeln, 800 Jahre alte Jain-Tempel aus weißem Marmor, unbeschreiblich schön mit Skulpturen und Ornamenten verziert. Bildhauerkunst in einer Perfektion, zu der heute vielleicht gar niemand mehr fähig ist. Der größte der Tempel hat vor 800 Jahren schon 190 Mio. Rupies gekostet, eine Summe, die zu dieser Zeit astronomisch hoch gewesen sein muß. Den Künstlern wurde das Gewicht dessen, was sie aus den Marmorblöcken herausgepickert haben, in Gold aufgewogen. Udaipur mit seinen Seen und Palaesten, touristisch total erschlossen mit Apfelkuchen und Filterkaffee im Cafe Edelweiss (völlig dekadent, aber dieser Versuchung hab ich gar nicht erst versucht zu widerstehen). Oder das eher noch verschlafene Bundi, voll mit prallem indischen Leben. Was in 10 Jahren sicher ganz anders aussehen wird…..
Obwohl das Herumreisen hier in Indien viel einfacher geworden ist (dank Computervernetzung klappen die Sitzplatzreservierungen, Züge sind relativ pünktlich) ist es immer noch sehr mühsam. Die Straßen sind zum Teil extrem schlecht oder im Bau (was noch schlimmer ist), an manche Busse traut man sich vor Angst, sie könnten bei der leisesten Berührung in sich zusammenfallen, nicht mal anzulehnen. Wenn ich jetzt so im Bus sitze und vorne rausschauen kann (meist ist es deutlich entspannter für die körpereigene Adrenalinproduktion, dies nicht zu tun), wird mir erstmal richtig bewußt, dass ich nicht nur einen Schutzengel gehabt haben muß, als ich vor ein paar Jahren mit dem Fahrrad kreuz und quer durch den Subkontinent gefahren bin. Die Busfahrer sind absolut rücksichtslos (die machen in diesem Leben mit Sicherheit keinen großen Sprung mit ihrem Karma, ich wünsche allen, daß sie in ihrem nächsten Leben als Radfahrer wiedergeboren werden). Alles, was kleiner ist als der Bus, hat Platz zu machen. Autos mit eingeklappten oder schon abgefahrenen Spiegeln schrammen mit Millimeterabstand vorbei, für die 10 oder 12 Insassen kein Grund zur Beunruhigung. Einsitzermopeds, auf denen eine komplette Familie mit 3 Kindern Platz hat, knattern im Tiefflug durch das Chaos und Fahrradfahrer, die absolut unterste Kaste in der Hirarchie der Verkehrsteilnehmer, schießen ohne zu zögern aufs Feld oder zwischen Gemüsehändler, wenns hinter ihnen hupt. Das wichtigste Teil an jedem Fahrzeug ist die Hupe, man hat den Eindruck, der Schalter dient nur zum kurzzeitigen Ausschalten. Führerscheine kann man für relativ wenig Geld kaufen, die Verkehrsregeln zu kennen ist ohnehin überflüssig, Es gibt welche, aber bei deren Einhaltung würde hier wahrscheinlich alles zusammenbrechen. In diesem Chaos passieren trotzdem unglaublich wenige Unfälle, alle scheinen doch noch etwas nachgeben zu können. Mit unserer deutschen Einstellung, Recht-haben-und-auch-darauf-bestehen, bekommt man hier sehr schnell die Gelegenheit, es im nächsten Leben noch einmal zu versuchen.
Die Wochen in Gujarat waren sehr schön, dieser Bundesstaat ist touristisch noch wenig erschlossen. Das macht zwar alles etwas mühsamer, aber eben auch interessanter. Ich bin wieder viel mit LKWs getrampt, es ist viel gemütlicher als mit den lebensmüden Busfahrern. Am liebsten wäre ich dennoch wieder mit dem Fahrrad unterwegs, auch nach den nicht nur guten Erfahrungen beim letzten Mal. Man hat doch viel mehr Feiheit, anzuhalten, wo es gerade schön ist und nicht von Bussen und LKWs abhängig zu sein. Gerade im Norden Gujarats, in Kutch, wäre es sehr schön gewesen. Es gibt sehr viele kleine Dörfer in dieser kargen Gegend, in denen Volksstämme mit ganz unterschiedlicher Herkunft leben. Bei diesen Menschen haben sich noch viele der alten Bräuche erhalten, Dinge, die man in den sich wirtschaftlich schneller entwickelnden Gegenden schon suchen muß. Neben der Landwirtschaft leben sie mehr und mehr auch von der Vermarktung ihrer handwerklichen Fähigkeiten, die Frauen fertigen unglaublich schöne Stickereien an. Jeder der Volksstämme hat seine eigenen Techniken, sie arbeiten oft monatelang an einem Stück. Ihre traditionelle Kleidung ist sehr sehr farbenfroh, wie so oft bei Menschen, die in so kargen Gegenden leben. Manche der Frauen sind mit kiloweise Silberschmuck behängt. Ich hätte gerne etwas mehr fotografiert, aber viele mochten das nicht so sehr. Es ist ja auch eher schade für Euch, daß ich Euch nur wenige Dias davon zeigen kann. Da müßt Ihr eben selbst mal hinfahren….



INDIEN, Anfang Januar 2007

Liebe Leute,
ein verspätetes gutes neues Jahr für Euch alle. Bin nun schon ein kleines Weilchen in Indien, der Kulturschock bei der Ankunft in Bombay war gar nicht so groß. Bin gleich nachts noch mit dem Local-Bus zum Bahnhof gefahren (ein paar Brocken Hindi sind sehr hilfreich, um sich die Taxi-Wallahs vom Leibe zu halten) und hab dort 3 Stunden zusammengerollt um meinen Rucksack auf einem Holzwagen geschlafen. Um mich herum auf dem Boden schliefen Hunderte andere, allerdings mußten sie auf keinen Rucksack aufpassen. In Nasik hab ich dann festgestellt, daß die Kumbha Mela nicht da stattfindet, sondern nach 6 Jahren schon wieder in Allahabad. Keiner konnte mir erkären, warum. Sehr schade, Nasik ist die letzte der Kumbha Mela-Städte, die mir in meiner Sammlung noch fehlt. Allahabad ist mir zu weit entfernt, also bleibe ich erst mal hier in der Gegend. Nasik ist eine schöne alte Stadt, in der Nähe entspringt in einem Tafelgebirge der Fluss Godwari. Alles heilige Plätze mit dem entsprechenden Pilger-Gewusel, aber mit viel altem indischen Leben.
Bin dann nach ein paar Tagen nach Palitana in Gujarat weitergefahren, dem Hauptheiligtum der Jains. Shatrunjaya, über 800 Tempel auf einer Bergkuppe, ist absolut malerisch und nur über 3.800 Stufen zu erreichen. Die Jains sind eine Religionsgemeinschaft, die mit dem Hinduismus nicht viel gemein hat, vieles aus ihren Philosophien erinnert eher an den Buddhismus. Keine Kasten, nur einen Gott und eine fast schon exzessive Verehrung alles Lebendigen. Ihr letzter Prophet, Mahavira, lebte zu gleicher Zeit wie Buddha, vielleicht gibt es deshalb so viele Parallelen. Der Vater des vorletzten Propheten, Parshva, war der Bruder von Krishnas Vater Vasudeva, es wird schon auch aufgepaßt, das alles bissl in der Familie bleibt. Ich hatte das große Glück und hab ein Zimmer in einer Pilgerherberge bekommen, in der sehr viele der Heiligen Frauen der Jains lebten. Sie wohnen eine Weile da, um ihre Yatra durchzuführen, also 108 mal auf den Berg zu gehen und zu Adinath zu beten. Barfuß, manchmal 7 mal am Tag, ohne essen und trinken. Sie waren restlos begeistert, da sie mich mehrere Male hochgehen sahen. Ich hab ihnen natürlich nicht erzählt, dass meine Hauptmotivation nicht Erleuchtung, sondern Belichtung von Dia-Filmen war. In kurzer Zeit hat sich eine sehr herzliche Atmosphäre entwickelt, sie haben mich in der Vollmondnacht mit auf den Berg genommen. Eine unglaubliche Szenerie, wie diese in weiße Gewänder gehüllten Gestalten im Mondlicht die Stufen hinaufgeschwebt sind und dann oben vor dem noch veschlossenen Tor singend um Einlaß gebeten haben. Sie dürfen nicht berührt werden, wenn sie etwas geben oder nehmen, wird es immer erst auf den Boden gelegt. Sie sind ausschließlich barfuß laufend unterwegs, besitzen außer ihrer Kleidung nichts und sind nach allem, was ich bisher mit Sadhus erlebt habe, wohl die wahren Asketen Indiens.
Danach bin ich zurück nach Ahmedabad gefahren, um das jährlich stattfindende Kite-Festival mitzuerleben. Die Stadt ist mit ca. 7 Mio. Einwohnern zwar nicht zu groß, aber unglaublich abgasbelastet und laut. Hier könnte man 1 Stunde im Berufsverkehr auf dem Schillerplatz in Dresden sitzen mit absolut ruhigem Gewissen als Sauerstofftherapie verkaufen. Mir ist schleierhaft, wie man in diesem Smog überleben kann. Ich hatte schon am 2. Tag Kopfschmerzen und konnte gar nicht mehr mit husten aufhören. Ganze Stadtviertel leben für das und von dem Fest, überall werden Dachen gebaut und verkauft. Schnüre werden gefärbt und mit Glaspulver beschichtet, um andere Drachen vom Himmel zu sägen. Am eigentlichen Festtag waren alle Läden zu und wahrscheinlich fast alle der 7 Mio. auf den Dächern ihrer Häuser. Musikanlagen mit zumeist defekten, aber trotzdem unheimlich lauten Lautsprechern hätten für ein ganzes Stadtviertel genügt, aber auf jedem 2. Dach stand eine. So muß es sein, Inder können alles ertragen, nur keine Ruhe. Ich wurde ständig mit auf die Dächer eingeladen, durfte mit Drachen fliegen (meine waren meist ziemlich schnell abgesägt) und zum fotografieren war es natürlich auch phantastisch. Zigtausende zappelnde bunte Drachen am Himmel, nach Sonnenunterrgang gabs Feuerwerk und nachts schwebten die Drachen mit kleinen Kerzenlämpchen am Himmel.
Jetzt bleibe ich ein paar Tage in hier Junagadh, einer kleinen Stadt mit einem heiligen Berg, zu dessen Tempeln diesmal 10.000 Stufen führen und versuche mal, den Dreck wieder aus meinen Lungen zu kriegen.



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